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Full text of "Untersuchungen über den ursprung des relativpronomens in den indogermanischen sprachen"

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UNTERSUCHUNGEN 

ÜBEK DEN UESPEUNG 

DES RELATIVPRONOMENS 



INDOGERMANISCHEN SPRACHEN. 



HABILITATIONSSCHRIFT 

WELCHE MIT GENEHMIGUNG 

DER 

PHILOSOPHISCHEN FACULTÄT DER UNIVERSITÄT LEIPZIG 
AM 7. AUGUST 1869 VORMITTAGS 10 UHR 

IM COLLEGIUM JURIDICÜM 
OEFFENTLIOH VERTHEIDIGT WIRD 

VON 

ERNST WINDISCH, 

DR. PHIL. 






LEIPZIG, 

DRUCK VON C. P. MELZER. 






Die Schrift wird vollständig demnächst in Curtius' Studien erscheinen. 



Erst in neuerer Zeit hat man ernstlich begonnen, auch 
die Syntax in das Bereich der sprachvergleichenden Stu- 
dien zu ziehen, und wer diesen Bestrebungen seine Auf- 
merksamkeit geschenkt hat, dem kann es nicht entgangen 
sein, dass sich hier noch ein weites freies Feld der For- 
schung eröffnet. Zwar ist auch hier schon manche Ent- 
deckung gemacht worden, aber eine eigentliche Durch- 
arbeitung nach sprachvergleichender Methode hat doch bis 
jetzt erst die materielle Seite der Sprache erfahren. 
Was war die ursprüngliche Gestalt der Wörter ihren 
Stämmen, ihren Suffixen nach, und nach welchen Gesetzen 
haben sich die in den einzelnen Sprachen vorliegenden Ge- 
stalten aus jener ersten entwickelt, das waren bisher die 
Hauptprobleme der vergleichenden Sprachwissenschaft; aber 
was war die ursprüngliche Bedeutung der Sprachtheile, 
und in welcher Weise hat sich diese verändert, diese Fra- 
gen harren noch zum grossen Theil ihrer eigentlichen ab- 
schliessenden Beantwortung von Seiten der Sprachwissen- 
schaft. Eine Ahnung von den wichtigen Kesultaten, die 
sich dabei ergeben werden, kann man aus der kleinen 
Schrift von Breal, Les idees latentes du langage, erhal- 
ten. Hier weist der französische Gelehrte an einigen gut 
gewählten Beispielen nach, wie wenig von dem Inhalte der 
Begriffe und Vorstellungen, die wir von den Dingen haben, 
in der Sprache seinen materiellen Ausdruck findet, und wie 
viele Gedanken der Mensch mit den Wörtern zu verbinden 
pflegt, ohne dass auch nur ein kleines materielles Moment 
ihnen entspräche. 

Auch die Syntax stellt sich als einen Zweig der Be- 
deutungslehre dar. Hier heissen nämlich die ersten beiden 

1* 



4 Windisch 

Hauptfragen: welches war die ursprüngliche Bedeutung der 
Flexionsformen, und in welcher Weise sind aus ihr die 
Bedeutungen der entsprechenden Flexionsformen in den ein- 
zelnen Sprachen entstanden. Aber durch Beantwortung 
dieser Fragen erhalten wir zunächst nur eine Lehre vom 
einfachen Satze. Um für das Satzgefüge die richtige Frag- 
stellung zu finden , müssen wir zunächst wissen, welches 
formale Element in seiner Bedeutung erkannt werden soll. 
In dem einfachen Satze Tiotiav zJavaol if.iä ddxova kommt 
es vom Standpunkte der Syntax nicht auf die sachliche 
Bedeutung der Stämme tl Javao i/,10 öccxqvo an, sondern 
lediglich auf die Bedeutung ihrer Flexionsendungen, denn 
diese geben an, in welchem Verhältnisse die durch jene 
Stämme bezeichneten Begriffe zu einander stehen. In ähn- 
licher Weise kommt es beim Satzgefüge nicht auf die sach- 
liche Bedeutung der Sätze an, sondern auf die Bedeutung 
der Elemente, welche der formale Ausdruck ihres Verhält- 
nisses zu einander sind, d. h. der Relativpronomina und 
der Conjunctionen. 

Will man demnach das eigentliche Wesen des Satzge- 
füges erforschen, so hat man zunächst an die Beantwortung 
der Fragen zu gehen: welches war die ursprüng- 
liche Bedeutung der Relativpronomina und der 
Conjunctionen, und welchen Entwickelungsgang 
hat dieselbe genommen. 

Wenn wir uns die genannten Theile des sprachlichen 
Organismus aus den verschiedenen indogermanischen Spra- 
chen sammeln und vergleichend zusammenstellen, so wird 
uns sogleich einem Minus von Uebereinstimmung gegenüber 
das grosse Plus der Verschiedenheit auffallen. Nicht als 
ob wir in einer jeden Sprache eine Reihe ganz neuer, jeder 
andern Sprache fremder Wörter anträfen, sondern formell 
lassen sich stets die nämlichen Stämme in^ den verwandten 
Sprachen, wenn auch nicht immer in allen, nachweisen, 
aber nicht in jeder haben sie von der allen gemeinsamen 
Grundbedeutung aus die nämliche Entwickelung derselben 



Relativpronomen. 5 

gehabt. Der Pronominalstamm ka z. B. geht als fragendes 
oder unbestimmtes Pronomen durch alle Sprachen hindurch, 
aber relativ tritt er nur im Lateinischen und Germanischen 
auf, in unterordnenden Conjunctionen ausser im Lateini- 
schen noch im Slawischen und Litauischen, endlich einfach 
copulativ im griechischen yml, im lateinischen que. 

Im einfachen Satze herrscht im Gegensatze zu dieser 
manigfaltigen Verschiedenheit grosse Uebereinstimmung : 
Casus und Numerus des Nomens, Person, Tempus und 
Modus des Verbs wurden, wie man zum Theil noch sehen, 
zum Theil vermuthen kann, in allen indogermanischen 
Sprachen den Hauptzügen nach auf dieselbe Weise ausge- 
drückt. Für die Syntax ergiebt sich aus dem Gesagten 
das wichtige Resultat, dass wohl der einfache Satz bereits 
vor der Sprachtrennung ausgebildet war, aber nicht so das 
Satzgefüge. Indessen darf man andrerseits die Ueberein- 
stimmungen mehrerer Sprachen in einem oder dem andern 
Punkte auch hier nicht für ein blosses Spiel des Zufalls 
halten. Wenn im Sanskrit, im Zend und nach unserer 
Ueberzeugung auch im Griechischen der nämliche Stamm 
ja als Relativum erscheint, so hat dies seinen guten Grund. 
Schon in der Ursprache nämlich muss in der Bedeutung 
des Stamms ja ein Keim gelegen haben, aus dem sich seine 
relative Bedeutung entwickeln konnte. Nun sind gerade 
jene drei Sprachen diejenigen, welche am frühesten zu einer 
Litteratur gelangt sind. Die Entwickelung einer solchen in 
so früher Zeit wurde aber jedenfalls dadurch begünstigt, 
dass die Inder, das Zendvolk und die Griechen nicht so 
weit wanderten, ehe sie ihre festen Wohnsitze einnahmen. 
Daher kommt es, dass jene drei Sprachen überhaupt in so 
vielen Punkten in der auffallendsten Weise übereinstimmen, 
und dass sie so oft gemeinsam das Alterthümliche gewahrt 
haben. So haben sie auch gemeinsam den Stamm ja zum 
Relativpronomen ausgebildet, während die andern Völker, 
welche noch länger auf der unruhigen und der geistigen 
Entwickelung nicht förderlichen Wanderschaft sich befan- 



Ö Windisch 

den, mehr oder minder aus dem ersten geistigen Entwick- 
lungsprozesse herausgerissen und durch die Umstände 
sicherlich nicht begünstigt wurden, das weiter auszubilden, 
was vor der Sprachtrennung erst im Ansatz vorhanden 
war. Wenn man die Verwandtschaftsgrade der indogerma- 
nischen Völker unter einander näher zu bestimmen sucht, 
sollte man die berührten Gesichtspunkte nicht vernachläs- 
sigen. Man darf nicht zu viel daraus schliessen, dass das 
Griechische, das Zend und das Sanskrit so häufig in Alter- 
thümlichkeiten zusammenstimmen, und man muss anderer- 
seits immer den grossen Zeitunterschied mit in Rechnung 
bringen, der zwischen den Anfängen der griechischen und 
denen der römischen Litter atur liegt. 

Wir haben geläugnet, dass das Satzgefüge bereits vor 
der Sprachtrennung fest ausgebildet gewesen sei: wir kön- 
nen also im Pronominalstamme ja nicht „das altarische 
Relativum", wenigstens nicht in dem hergebrachten Sinne, 
erblicken, wie man wohl, allerdings ohne die Frage scharf 
ins Auge zu fassen, anzunehmen pflegt, und wie namentlich 
neuerdings von Fick (Wörterbuch der indogerm. Ursprache 
S. 147) und von Scherer (Zur Geschichte der deutschen 
Sprache S. 378) ausdrücklich behauptet worden ist. Letz- 
terer stützt sich auf die Uebereinstimmung des Sanskrit 
und des Griechischen, ersterer fügt noch die gothische Con- 
junction ja-bai (wenn) hinzu. Letztere Conjunction dürfte, 
um dies gleich hier zu erwähnen, nicht allzuviel beweisen. 
Denn die Conditionalpartikeln gehören zu den Conjunctio- 
nen, welche nicht in jeder Sprache zu dem in ihr gebräuch- 
lichen Relativstamme stimmen; ich erinnere nur in der 
Kürze an griech. sl und latein. st. Ein Schluss aber aus 
zwei Sprachen, und wäre es auch aus Sanskrit und Grie- 
chisch, auf uralte Verhältnisse in der Ursprache ist stets 
gewagt und anfechtbar, so lange nicht andere Momente zu 
seiner Unterstützung beigebracht werden können 1 ). Aber 

1) Vergl. über diesen methodischen Grundsatz Delbrück in Kuhns 
Ztschr. XVIII S. 74. 



Relativpronomen. 7 

andrerseits bedarf auch der entgegenstehende Schluss, dass 
man in Folge der Verschiedenheit der Relativpronomina 
und der Conjunctionen die Ausbildung des Satzgefüges erst 
den Einzelsprachen zusprechen müsse , noch gar sehr der 
nähern Beleuchtung; und wenn er oben S. 5 mit solcher 
Sicherheit ausgesprochen ist, so geschah dies nur, weil mir 
ausserdem die Ergebnisse der auf den folgenden Seiten 
niedergelegten Untersuchungen mit allen ihren Consequen- 
zen bestimmend vor Augen standen. 

Diese Untersuchungen erstrecken sich allerdings zu- 
nächst nur auf den Pronominalstamm ja und lassen vor Al- 
lem auch die Conjunctionen noch völlig bei Seite, aber die 
Etymologie des deutschen Relativpronomens „der die das" 
gestattet es, auch dies mit in den Kreis unserer Betrachtun- 
gen zu ziehen, und dieser Umstand ist deshalb von der 
grössten Wichtigkeit, weil uns die alten Denkmäler unserer 
Sprache, namentlich Otfrids Evangelienharmonie, eine tiefere 
Einsicht in das geheimnissvolle Werden eines Relativpro- 
nomens gewinnen lassen, als die ältesten Denkmäler irgend 
einer andern Sprache, die homerischen Gedichte nicht aus- 
genommen. Kaum eine einmalige Erwähnung wird das dem 
Stamme des interrogativen und indefiniten Pronomens an- 
gehörige lateinische Relativum finden, dem sich ja noch 
einzelne Erscheinungen in andern Sprachen, wie das gothi- 
sche hvileiks (welcher), besonders aber Conjunctionen im 
Germanischen (z. B. ahd. Amanta weil), im Litauischen 
(z. B. Tcad als) zur Seite stellen. Da dies lateinische Relativ- 
pronomen zu einer ganz andern Verwandtschaft gehört, als 
die andern Relativpronomina, so bedarf es einer Untersuchung 
für sich allein, die aber nach meiner Ueberzeugung erst 
dann mit rechtem Erfolge wird geführt werden können, 
wenn wir das Wesen der andern Relativpronomina kennen 
gelernt haben, bei denen die Verhältnisse uns günstiger 
sind, und mancher Wegweiser uns den richtigen Weg nicht 
verfehlen lässt. 

Auf die Relativsätze selbst mit ihren manigfachen Nüan- 



§ Windisch 

cirungen des Gedankens, wie sie namentlich im Griechischen 
durch die Wahl der Modi und durch Zusetzen von Par- 
tikeln auch einen entsprechenden äussern Ausdruck gefunden 
haben, werden wir gleichfalls nicht eingehen. Denn dies 
würde erst ausgedehnte Untersuchungen über die ursprüng- 
liche Bedeutung und Verwendung dieser Sprachelemente 
voraussetzen, die wir unmöglich beiläufig abzumachen im 
Stande sind. Nur das Eelativum als solches und seine Be- 
deutung im Satzbau ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. 
Nebenbei ist freilich Manches mit aufgenommen worden, 
was diesem Hauptthema auf den ersten Blick ferner zu 
liegen scheint, aber auch dies ist nicht ohne Absicht ge- 
schehen. Es kam mir darauf an durch möglichst viel Bei- 
spiele zu zeigen, dass auch in die grosse Manigfaltigkeit der 
in den indogermanischen Sprachen auftretenden Pronominal- 
stämme eine grössere Ordnung gebracht werden könne, als 
man gewöhnlich darin gesehen hat, und dass es möglich 
sei, die verschiedenen Bedeutungen eines und desselben 
Stammes, deren Wechsel sich jedem Gesetze zu entziehen 
schien, dennoch in Zusammenhang zu setzen und auf eine 
Grundbedeutung zurückzuführen; auch glaubte ich, dass 
subtilere Unterscheidungen und Ableitungen, die bei einem 
Beispiele immerhin zweifelhaft bleiben, an Glaubwürdigkeit 
gewinnen würden, wenn man sie zu wiederholten Malen 
nachzuweisen im Stande ist. 

Natürlich war Nichts weniger meine Absicht, als hier 
für irgend eine Sprache, geschweige denn für alle indo- 
germanischen Sprachen eine erschöpfende Behandlung des 
Eelativpronomens zu geben, sondern nur den Ursprung des- 
selben zu ergründen und seinen Entwickelungsgang anzu- 
geben will ich versuchen ; die nähere Ausführung, vor Allem 
die Darstellung des fixirten und ausgebildeten Sprachge- 
brauchs bleibt der Grammatik der Einzelsprachen vor- 
behalten. 



Relativpronomen . 



CAP. I. 

Das Vorkommen des Pronominalstammsja als 
Relativpronomen. 

Dass das sanskritische Relativum jas (jo) ja jad und 
das zeiidische Relativum yas (yd) yd yat dem Pronominal- 
stamme ja angehören, bedarf keines weitern Beweises. Der- 
selbe Stamm lebt auch in dem kirchenslawischen Relativum 
i-ze ja-ze je-ze, wenn auch das einfache i ja je noch nicht 
relativische Geltung hat ( Schleicher , Formenl. der kir- 
chensl. Sprache S. 262 , Miklosich, Vergl. Gramm, der 
slav. Sprachen IV S. 83). Wir werden jedoch sehen, dass 
die dem griechischen ye entsprechende Partikel ze an und 
für sich nicht das Geheimniss des Relativunis birgt. 

Dagegen hat man bekanntlich das Relativum der grie- 
chischen Sprache hauptsächlich auf Grund eines vereinzelten 
Fori der von Ross veröffentlichten lokrischen Inschrift von 
unseren! Stamme trennen wollen, zu welchem es von Bopp 
(Vergl. Gr. II 2 S. 197, § 382), Curtius (Gr. Etym. S. 354 
u. 532), Schleicher (Compend. 2 S. 215), Leo Meyer (Vergl. 
Gramm, der griech. und lat. Spr. I S. 327), Sonne (Ztschr. 
Xu 273) gestellt wird. Savelsberg nämlich sucht es mit 
dem Stamme ha, oder besser einer Nebenform desselben 
küj kva zusammenzubringen (Ztschr. VIII 406 ff., X 75), und 
ihm folgt Hentze in seiner Dissertation De Pronominum re- 
lativorum linguae graecae origine atqiie usu Homerico (Goett. 
1863). Lottner aber (Ztschr. IX 320), der Savelsberg darin 
beipflichtet, dass og ij o unverkennbare Spuren eines aus- 



10 ' Windisch 

lautenden Digarnnia zeige , will es lieber dem Stamm sva 
zusprechen ; indem er an homerisches cp/] (zenodoteische Lesart 
in II. B 144 und £499, s. Curtius Grundz. 2 S. 352) und 
an gothisches sve erinnert. Aber mit Recht sind beide Ver- 
suche von Curtius (a. a. 0. S. 354 und 532) und neuerdings 
von Richard Förster (Quaestiones de attr actione enuntiationum 
relativarum p. 3) verworfen worden. Und in der That gegen 
einen Zusammenhang mit dem Stamme Teva spricht doch 
vor Allem die haltlose Annahme des Abfalls eines anlau- 
tenden x im Griechischen ; noch dazu zu Gunsten eines 
Digarnma. 2 ) Dass man auch für das Griechische einen 
Stamm xFo neben xo für das fragende und unbestimmte 
Pronomen ansetzen muss ; dazu nöthigt allerdings das nn 
in 671716x8. Solche Formen; nicht minder die mit einfachem 
7i anlautenden; zeigen aber gerade, wie im Griechischen die 
Lautgruppe xF behandelt wurde ; wenn das Digarnma nicht 
mit v wechselte wie in xvcov (skr. gvan), oder ganz wegfiel 
wie in xanvog (Curtius Grundz. S. 131). 

Natürlicher Weise kann der Abfall eines x um nichts 
annehmbarer dadurch werden, dass Hentze (a.a.O. S. 25 ff.) 
homerische Beispiele bringt; in denen og indirecte Fragen 
einzuleiten scheint oder in gewissem Sinne indefinit ge- 
braucht ist, und dass er durch dieselben die ursprüngliche 
interrogative und indefinite Bedeutung von og beweisen will. 
Aber og kommt weder jemals wirklich interrogativ; noch 
jemals wirklich indefinit vor ; so dass man es mit zig oder 
Tig vertauschen konnte; und die Beispiele; in denen Hentze 
indirecte Fragen sieht; erscheinen nur durch lateinische 
Brille als solche. Immer steht im regirenden Satze ein 



2) Ebenso unhaltbar ist die Annahme Savelsbergs, dass auch das 
sanskritische Relativuni jas vorn ein Je eingebüsst habe. Er will eben 
alles relative Satzgefüge auf Frage und Antwort zurückführen. Natür- 
lich müsste dann auch das Zend an seinem yas ein Je verloren haben. 
Schon diese Einigkeit, dass drei Sprachen an ihrem Relativpronomen, 
das Griechische wenigstens unabhängig von den beiden andern, ein h 
eingebüsst haben sollen, muss Zweifel erregen. 



Kelativpronomen. \ \ 

Verbum des Wissens oder Kennens — nie z. B. ein Verbum 
des Fragens — und nach einem solchen kann der bestimm- 
ter auftretende Relativsatz gar nicht auffallend sein. Ein 
Beispiel ist B 365 yvcoorj ensitf. bg d* r^ysiibvcov xaxbg bg 
ze vv Xacov, rjd* og % eodlog ej]Oi. 3 ) Auch im Sanskrit steht 
in ähnlichen Fällen der einfache Relativsatz, z. B. Nal. II 20 
gri u m3 y maghavan, jöna na drcjante, mahikshüah (höre von 
mir, o Indra, weshalb die Erdherrscher nicht gesehen wer- 
den). Für den indefiniten Gebrauch kann H. eigentlich 
nur die Partikel bis anführen; aber diese ist keineswegs 
identisch mit noxs , sondern sie bedeutet, wenn sie zuerst 
steht und alloTe folgt: ,,das eine Mal = einmal", wenn sie 
an zweiter Stelle folgt: „das andere Mal". Stellen der er- 
sten Art sind ^599, Y 49; ein Beispiel der andern Art ist 
P 178. Diese Spuren von einer ursprünglichen interro- 
gativen und indefiniten Bedeutung beruhen also auf Täu- 
schung; mithin wird auch der Versuch hinfällig, das ganze 
relative Satzgefüge im Griechischen aus Frage und Antwort 
entwickeln zu wollen (Hentze a. a. 0. S. 30 ff.), ein Versuch, 
den wir nicht erst im Einzelnen zurückweisen wollen, weil 
die Sache, wie H. selbst S. 31 eingesteht, exemphs probart 
nequit. Dabei können wir immer anerkennen, dass aller- 
dings in Beispielen wie o 72 ioov toi xaxov lo& , og tovx 
ed-eXovxa veso&ai t-elvov snozQvvet, y.al bg soov/Aevov %axe- 
qvxsl, £ 81 ßelvsoov, bg cpevytov nqocpvyji xaubv 77s alcüjj, 
H 171 xhjQtp vvv 7iE7ialaod'£ diaf-inegig, bg xe ld%r]Oiv, 
dass in solchen Stellen der Gebrauch des Pronomens og 
schwer mit einer ursprünglich demonstrativen Bedeutung 
des letztern vereinigt werden kann. 



3) Die übrigen von Hentze angeführten Stellen sind: s£> 609, Y21, 
N 278, W 498, H 171, q 363, ß 45 , n 317 =± r 498 = x 418, y 185, 
t 219. Gesetzt sogar den Fall, dass einzelne Stellen , wie z. B. die 
letzterwähnte, auch vom griechischen Standpunkt als indirecte Fragen 
aufgefasst werden müssten, so würde daraus noch lange nicht folgen, 
dass oj, oiog u.s. w. ursprünglich interrogative Bedeutung gehabt hätten. 



12 Windisch 

Die Ansicht Lottners lässt sich eher hören; er hätte 
noch hervorheben können, dass namentlich im homerischen 
Dialekte der Stamm sva (ov oi £') ganz die Geltung eines 
einfachen Pronomens der dritten Person hat und nicht etwa 
ausschliesslich reflexiv gebraucht wird, wie im lateinischen 
sui sibi se. Allein es würde dann doch der einfache 
Stamm sva im Griechischen nicht bloss in dreifacher Func- 
tion, sondern auch in dreifacher lautlicher Gestaltung ver- 
treten sein, einmal adjectivisch im Possessivpronomen bg rj 
ov, zweitens substantivisch in Bio (eo ev) oi e ocpelg u. s. w. 
und eben in dem Relativuni bg i] b (Gen. oo, ov). Das Rela- 
tivuni stimmt allerdings bis auf das Neutrum gut zu der ange- 
führten Form des Possessivpronomens bg rj bv , aber die 
Nebenform sog er) eöv gehört nur dem letztern an. Ebenso 
beachtenswerth ist die Abweichung im Neutrum, denn das 
relative o stellt sich in Parallele zu den Formen to, ovtq, 
hat also wie diese jedenfalls ein auslautendes d verloren. 
Dies würde auf eine Grundform svad hinweisen, eine Form, 
die sonst in keiner indogermanischen Sprache vorkommt; 
das Neutrum vom Stamm sva lautet stets svam. Nun 
könnte man aber all das Erwähnte durch einen gewis- 
sen Differenzirungstrieb der Sprache zu entschuldigen 
suchen. Allein dagegen ist zu erwähnen, dass ja bg /' b 
gar nicht ausschliesslich relativ vorkommt, sondern gar 
nicht selten unbestreitbar in gewissem Sinne demonstrativ, 
z. B. M 344 o yccQ a o% ccqlozov anavzcov £try, fi] o yag 
yegag ioil Üccvoitcov — o 190. 

Der Hauptanlass, an den sich diese ganze Kva- und Sva- 
Theorie geknüpft hat, ist jenes inschriftliche Foti gewesen. 
Inschriftliche Zeugnisse müssen allerdings im Allgemeinen 
ein grosses Gewicht haben, verlieren dasselbe aber, wenn 
andere inschriftliche Zeugnisse ihnen entgegenstehen. Dies 
ist hier der Fall, und darauf ist bereits von Curtius (Grundz. 2 
S. 354) aufmerksam gemacht worden. Auf der nämlichen 
Inschrift steht der Dativ des Personalpronomens ohne Di- 
gamma und sogar ohne Spir. asper (o/), während letzterer 



Eelativpronomen. \ 3 

unnöthiger Weise in HATEN (d. i. ayeiv) gesetzt ist. Noch 
schlagender aber ist der Umstand, dass auf alten Inschrif- 
ten, auf welchen das Digamma geschrieben wird, dieses 
sonst überall da, wo wir es erwarten, erscheint, während 
die Formen des Relativpronomens ausnahmslos nur den 
Spir. asper zeigen 4 ). Auf der ersten der herakleischen Ta- 
feln z. B. (C. I. III. p. 698) kommen folgende Wörter stets 
digammirt vor: Ftdiog (Z. 13, 32, 49, 55, 56, 59, 62, 67, 
74), FUaxL (Z. 37, 81, 83, 84, 139, 171), F^cctItieSov (Z. 62, 
76), Fhog (Z. 51, 53, 101, 104, 109, 110, 111, 117,121, 124, 
134, 178), dazu einmal (Z. 152) die Form syFrjlrjÜuovTi 
(==s^ei^d-(oot). Wie wenig dagegen an Digamma beim Re- 
lativpronomen gedacht werden darf, zeigt die Zusammen- 
setzung y.a&cüg (Z. 57, 75, 169, 175), und ebenso zeigen es 
alle die einfachen Formen mit ihrem Spir. asper: ogztg (Z. 
108), otl (Z. 111, 130, 133, 160, 163,176, 178), äg (Z. 100), 
4 (Z. 135), a (Z. 81, 137), av (Z. 106), äg (Z. 107, 142, 
146), ä (Z. 156), tag (Z. 56, 99, 105, 130, 138, 149), ojötb 
(Z. 152), ibgavTtog (Z. 59, 68), oöoog (Z. 159), oaocp (Z. HO), 
ooocti (Z. 148, 170), ooool (Z. 121, 126, 137), oooaxig (Z. 
132), oiag (Z. 103). 

Auch in den homerischen Gedichten erscheint, das Ad- 
verbium cbg abgerechnet, beim Relativum keine Spur eines 
verlorenen Anfangsconsonanten, wie schon Hoffmann be- 
merkt. 5 ) 

Absichtlich habe ich diesen Umstand nicht als Beweis 
gegen ursprünglich anlautendes Digamma angeführt, weil 
es ja mit der Nachwirkung dieses Lautes in den homeri- 
schen Gedichten eine eigne Bewandniss hat. Dasselbe gilt 
auch von den Nachwirkungen eines ursprünglichen Jod. 



4) Das Zeichen des Digamma auf den herakl. Tafeln ist C, des 
Spir. asper r. 

5) Hoffmann, Quaestt. hom. I p. 105 : Falluntur tarnen , qui pu- 
tant digamma hac in voce valuisse apud Homerum, cujus rei testimo- 
nium non potest inveniri. 



1 4 Wixidisch 

Wollte man daraus , dass keine Spur eines anlautenden 
Consonanten in den homerischen Gedichten nachweisbar 
ist, sogleich den Schluss ziehen, dass auch kein solcher da 
war, so müssten wir auch auf die Ableitung des griechi- 
schen Eelativpronomens vom Stamme ja verzichten. 

Ich hoffe in meiner Dissertation De hymnis homericis 
majoribus nachgewiesen zu haben, dass Digamma und Jod 
in den homerischen Gedichten nur in den uralten Versfor- 
meln sichere Spuren ihres einstigen Daseins zurückgelassen 
haben. Diese uralte Formeltradition lässt sich z. B. auch 
bei dem Verbum %r\[ii®) erkennen, das bekanntlich auf 
eine Verbalwurzel ja zurückgeht und ursprünglich jijaf.u 
gelautet haben wird (Curtius Grundz. 2 S. 359). Dasselbe 
lässt an mehreren Stellen einen vorausgehenden langen Vo- 
cal ungekürzt und bewirkt nicht immer die Elision eines 
Vorausgehenden kurzen Vocals. Allein an vier Stellen geht 
tiqoooü) voraus: M 274, IV 291, 543, II 382; darnachge- 
bildet ist a/.tcpco leo&rjv y 344 (vgl. aucpco S* Uo&rjv 3 501). 
Eine zweite Versformel war wohl aly^irj is/iievi] , die sich in 
unseren Texten allerdings nur Y 399 findet, aber 495 und 
M 46 wenigstens varia lectio ist. Wahrscheinlich war sie 
auch an den äusserst ähnlichen Stellen Y 280 und X 70 
der Anlass zu der Zusammenstellung Iöttj isßsvrj. Drittens 
kommt die Partikel de öfters unelidirt vor: B 154, y 160, 
i 261 (or/MÖe), q 5 (aatvSej] A 537, -N 386, Y 502 (o öi 
t£To), B 589 {iialiöTa de isto). Das Formelhafte aller die- 
ser Stellen wird dadurch recht klar, dass die erwähnten 



6) Auffallend ist, dass bei diesem Verb nicht blos im Imperfec- 
tum, wo der Gedanke an das temporale Augment nahe läge, sondern 
auch in andern Formen, namentlich im Participium, das i gedehnt ist. 
In den meisten Fällen steht dies i vor zwei auf einander folgenden 
kurzen Silben (z. B. h'uzvoi), so dass die Form ohne Dehnung des / 
gar nicht in den Vers gegangen wäre. Da sich aber /?327 hiti vv 
7T8o l'iTcu und fj 192 °£lg (f&Gav Uttiw findet, so kann man annehmen 
dass das wahrscheinlich früher als das j der Reduplicationssilbe auf- 
gegebene j des Stamms jene Dehnung wenigstens unterstützt habe. 



Kelativpronomen. 15 

Ausdrücke immer dieselben Versfüsse einnehmen. Von be- 
denklichen Stellen in der Ilias bleibt nur noch übrig eia 
lefxivovg TT 396, wo das Unterlassen der Verkürzung ebenso 
gut auf der durch die Contraction motivirten Schwere des 
« und der Freiheit des ersten Fusses beruhen kann (vgl. 
£ 199 Sa/Liva ad-avaxovg, nsiQq, cog xs, Beides zu Anfang 
des Verses). *AX% sjiie usßsvot cp 72 ist als vereinzelte der 
Odyssee angehörige Erscheinung von keinem weiteren Ge- 
wicht. E 434, JS 424, Q 301, 310 ist der Hiatus durch die 
bukolische Cäsur entschuldigt. An der grossen Mehrzahl 
der Stellen aber ist keine Nachwirkung des verlorenen j 
wahrzunehmen, wie in ovqov isi A 479, ß 420, X 7, (.i 149, 

292 u. a. — Das Wort fjftccQ dagegen, dem das lateini- 
sche jecur entspricht, zeigt in den homerischen Gedichten 
überhaupt nie eine Spur von consonantischem Anlaut, denn 
es kommt in keiner Formel vor. Vgl. Y 469, 470, t 301, 

1 578, % 83 ; an den übrigen Stellen steht es zu Anfang des 
Verses: A 579, N 412, P 349. 

Nun begreift es sich, warum das,/ des Relativpronomens, 
das der Partikel cog ausgenommen, kein Gedenkzeichen in 
den homerischen Gedichten zurückgelassen hat: dies Prono- 
men kommt nicht als zweiter Bestandtheil von Versformeln 
vor, und konnte es füglich nicht, weil es meist an erster 
Stelle im Satze steht, und in der Regel eine Interpunction 
vor sich hat. Die Partikel cog dagegen kommt in einer 
uralten Formel vor, nämlich wenn es als Vergleichungs- 
partikel dem zur Vergleichung herbeigezogenen Nomen nach- 
gesetzt wird, z. B. in xcxxöv cog B 190, OQviSeg cog r 2, 
nels^vg cog V 60, &sög cog r 230 u. s. w., und nur in die- 
sem Falle hat das / seine Kraft bewahrt (vgl. HoflPmann 
Quaestt. Jiom. I p. 104, Curtius Grundz. S. 532). 

Schliesslich sind wir aber noch schuldig, die Gründe 
zusammenzustellen, welche uns in gewissem Sinne nöthigen, 
gerade j als den verlorenen Consonanten des griechischen 
Relativpronomens anzunehmen und letzteres in Folge dessen 



16 Windisch 

zum sanskritischen jas ja jad zu stellen. 7 ) Wir nehmen 
als selbstverständlich an ; dass das Relativpronomen oc, weil 
untrennbar von der relativen Partikel wg, einen consonan- 
tischen Anlaut verloren hat. Dies könnte an und für sich 
sowohl o, als auch F, als auch j sein. Für o fehlt jeder 
weitere Anhalt. Gegen F spricht, dass die wichtigsten In- 
schriften , die sonst das Digamma bewahrt haben, bei die- 
sem Worte immer nur den Spir. asper zeigen; auch fände 
der einfache Pronominalstamm Fo in relativer Function 
keine Analogie in den verwandten Sprachen, man hat daher 
an die bekannten, in satzverknüpfenden Functionen aller- 
dings nachweisbaren Stämme kva und sva gedacht. Was 
gegen diese eingewendet werden muss, ist gesagt worden. 
Nur gegen j lässt sich kein stichhaltiges Bedenken erheben. 
Dass bei Rückführung des Relativpronomens og auf den 
Stamm ja das Griechische zum Sanskrit und Zend eine 
enge Beziehung zeigt, ist nach dem S. 5 ff. Bemerkten nicht 
wunderbar. Im Gegentheil wir müssten uns wundern, wenn 
der Stamm ja, der doch in den indogermanischen Sprachen 
eine so wichtige Rolle spielt, im Griechischen ganz fehlen 
sollte, gerade im Griechischen, das sich doch sonst durch 
Bewahrung und Erhaltung uralter Wort- u. Formenfülle 
auszeichnet. Curtius (Grundz. 2 S. 355) erinnert, dass dann 
cog vortrefflich zu skt. jdt stimmt, wie Kuhn zuerst zeigte, 
und f { og, etog zu skt. jävat. Nicht zu übersehen endlich ist, 
dass erst bei unserer Annahme die zusammengesetzten re- 
lativen Pronomina und Adverbia begreiflich und neben den 
einfachen verständlich sind, also bgxig neben og, onöoog 
neben oöog, onov neben ov u. s. w. 

Wollten wir nun damit beginnen, das Griechische mit 
dem Sanskrit und Zend zu vergleichen, um so hinter das 



7) Dass es überhaupt nicht überflüssig war, die Frage nach der 
Verwandtschaft des griechischen Eelativpronomens nochmals zu behan- 
deln, geht daraus hervor, dass noch Corssen in der 2. Auflage seines 
Hauptwerks I S. 389 die Ableitung desselben vom Stamme ja mit 
einem Fragezeichen versieht. 



Relativpronomen. 17 

Entstehungsgeheimniss des Relativpronomens zu kommen ; 
so würden wir nicht viel mehr erfahren, als wir schon aus 
dem homerischen Griechisch errathen können; denn im 
Sanskrit und Zend, namentlich im ersteren, ist der Stamm 
ja eben nur Relativpronomen, nichts Anderes. Wir müssen 
uns vielmehr in den Sprachen umsehen, in welchen das 
Relativum einem andern Stamme angehört, ob in diesen 
vielleicht der Stamm ja vertreten ist (Cap. II.) und in wel- 
cher Bedeutung (Cap. III.). 



CAP. II. 



Das Vorkommen des Pronominalstamms ja in 
anderer als der relativen Funktion, der Prono- 
minalstamm i und sein Verhältniss zu ja. 

Unzweifelhaft gehört hierher das litauische einfache 
Pronomen der III. Person j\s jl (Schleicher lit. Gramm. 
S. 196) und das gleichbedeutende kirchenslawische i ja je 
(Schleicher Formenlehre des Kirchensl. S. 263). Zu diesen 
stellen sich die wenigen Beispiele, in denen og und b im 
Griechischen nicht relativ auftritt, z. B. (Ü 198 alla yial 
og dsldoixs <diög (.leydXoio xsgavvov.. 8 ) 

Allein wir dürfen uns nicht auf den Stamm ja beschrän- 
ken. Mit Recht betrachten Pott (Et. Forsch. II 1 S. 162) 
und Curtius (Grundz. 2 S. 355) denselben als eine Erwei- 



8) Vergl. Förster Quaest. de attract. p. 4. Dass man nicht bei og 
an die sanskritische Form sas denken darf, verbietet das gleichfalls 
in nicht-relativem Sinne erscheinende Neutrum o, s. S. 215. Von Wich- 
tigkeit ist, dass der Stamm ja im .. Griechischen nur in bestimmten 
Formeln die erwähnte Bedeutung hat(o? ydo, o yao, ovo' og, y.^ og 
xal og, ij (T 6'f) ] man darf daraus auf das hohe Alter der letzteren 
schliessen. 



\ g Windisch 

terung des einfachen Stammes i\ dasselbe ist Leo Meyer 
geneigt anzunehmen (Vergl. Gr. d. gr. u. lat. Spr. I S. 335). 
Allerdings hat Bopp Nichts davon wissen wollen , er sagt 
Vergl. Gr. § 365 (II 2 S. 169): „Die Verwandtschaft beider 
(von i und ja) lässt sich aber nicht beweisen, denn da sa 
ta ma na einfache Urstämme sind, warum sollte nicht auch 
der Halbvokal y einen solchen beginnen können?" Aber 
wenn man einerseits nicht leugnen darf, dass ja „ein Ur- 
stamm" sein könnte, so ist doch auch andererseits die 
Möglichkeit des Gegentheils unbestreitbar. Vor Allem ist 
zu betonen, dass der Stamm i, wo er selbstständig und nicht 
als Glied einer Zusammensetzung erscheint, gleichfalls die 
Funktion eines einfachen Pronomens der III. Person hat. 

Dies trifft zunächst die meisten Formen des goth. is 
[si] ita, des ahd. er [siu] ez und des alts. [hi siu] it. Schon 
im Gothischen ist im Nom. 8. Fem. eine mit s anlautende 
Form (si) eingetreten; dieser entspricht das ahd. und alts. 
siu, aber in beiden letztgenannten Dialecten sind noch 
mehr mit s anlautende Formen eingedrungen: im Acc. S. 
Fem. sia, im Nom. Acc. PI. aller drei Geschlechter im Ahd. 
si& si6 siu, im Alts, sia sia siu. Dazu kommt im Ahd. der 
Gen. Sing. Masc sin, während im Alts, eine mit h anlautende 
Form (hi) im Nom. S. Masc. erscheint. Dies ist ein Ansatz 
zu dem, was im Angelsächsischen und Altfriesischen 9 ) durch- 
geführt ist: in ersterem Dialect vertritt he heö hit, in letz- 
terem hi hiu hit in vollständiger Declination unser „er sie 
es". Zu dem nämlichen mit h anlautenden Stamme gehören 
bekanntlich auch die vereinzelten gothischen Formen, die 
in den Redensarten hirnma daga, fr am himma, fr am himma 
nu, und hina dag, und hita nu erhalten sind. Lassen wir 
letztere Formen für jetzt bei Seite, im Ahd. und Alts, aber 
stellt sich, wie Heyne (Kurze Laut- und Flexionslehre der 



9) Nur der Vollständigkeit wegen sei daran erinnert, dass im Alt- 
nordischen in gleicher Bedeutung das Pronomen kann, hon gebraucht 
wird. 



Relativpronomen. \ 9 

altgerm. Spr. S. 324) bemerkt, der Stamm sja in allen den 
Casus ein, „die der Gothe aus dem erweiterten Stamme 1 
bildet." Gemeint sind damit Acc. S. F. ija, Nom. PL M. 
eis, Acc. PI. F. ijos, Nom. Acc. PL N. ija, und man nimmt 
an, dass diese Formen auf einen Stamm aja zurückzuführen 
seien, wie z. B. Scherer (Zur Gesch. d. deutschen Sprache 
S. 379). Es lohnt sich indess der Mühe, nach der Berech- 
tigung dazu zu forschen, namentlich da sich uns in dem 
gothischen Zahlworte threis thrijos thrija vom Stamm thri 
eine lehrreiche Parallelbildung darbietet. 

Den Dat. ihrim und den Acc. ihrins übergehen wir, da 
sie in ihrer Bildung Nichts Auffallendes bieten, sie stimmen 
genau zu im und ins, sowie zu den gewöhnlichen Formen 
des Dat. und Acc. PL der nominalen /-stamme, wie balgim 
balgins. 10 ) Beim Nom. M. threis aber tritt eben jene Frage 
an uns heran, ob das auslautende eis aus ajas entstanden 
sei. Skr. trajas, gr. TQeig scheint dies zu empfehlen, aber 
nicht so das litauische trys und das kirchenslawische trije, 
dessen i schwerlich aus urspsünglichem a geschwächt ist. 
Ebensowenig zeigen die übrigen germanischen Dialekte eine 
Spur der angegebenen Verstärkung in den Formen ahd. 
dri$, alts. thria. Wohl aber sind diese Formen aus der 
i-declination ausgetreten, indem an den Stamm hinten ein 
a antrat, und von den neuen JL-stämmen dria, thria sind 
nun nach Analogie von ahd. dfä und alts. thia (Pronominalst. 
tja) jene Nominativformen driö, thria gebildet worden. Da- 
gegen ist das altnordische thrir identisch mit dem gothischen 
threis. Beide lassen sich ohne das geringste lautliche Be- 
denken auf eine Grundform thrijas zurückführen, man denke 
an fr eis frija frijata (skr. prijas prijä prijam), dessen Masc. 
freis doch ohne Zweifel aus frijas nach Verdrängung des 
a entstanden ist. Die so gewonnene Grundform thrijas ist 



10) Man vergleiche zu goth. ihrim, ihrins aus dem Litauischen die 
entsprechenden Formen Dat. trims, Acc. tris •, dazu Instr. trimis, Loc. 
trist (Schleicher, Lit. Gr. S. 215). 



20 Windisch 

aber weiterhin identisch mit trijas, der Grundform des li- 
tauischen trys i { ) und des kirchenslawischen trije (s. Schlei- 
cher , Formenl. des Kirchensl. S. 212. 243). Tvijas seiner- 
seits ist völlig überein gebildet mit ionischem itolieg: an 
den Stamm * trat das Suffix as 7 und die lautliche Erschei- 
nung ; welche für das Kirchenslawische Gesetz ist, dass 
nämlich ursprüngliches i sich vor folgendem Vokale zu ij 
zertheilt (Schleicher a. a. 0. S. 73. 74), braucht nur für 
das Gothische zugegeben zu werden 12 ), um im gothischen 
ihr eis-* ihn jas den regelrecht und ohne Verstärkung gebilde- 
ten Nom. PI. eines /-Stammes zu sehen, wenigstens beruht 
die Verstärkung, wenn man in jenem ij für i durchaus 
eine solche erkennen will, auf einem rein phonetischen Vor- 
gange. l3 ) — Für den Nom. Acc. PI. N. ihrija hat man erst 
recht nicht den geringsten Grund, eine Urform mit aja an- 
zusetzen, denn weder skr. trini (ved. tri, s. P. W. unter tri) 
noch griech. tqicc und lat. tria können einen Anstoss dazu 
geben. Im Gegentheile beweisen die letzten beiden Formen 
im Vereine mit ahd. driu, alts. thriu, angels. threo, altn. thriu, 
dass auch hier im Gothischen eine unverstärkte Bildung 



11) Dass lit. trys nicht auf den erweiterten Stamm zurückgeht, zeigt 
ausserdem trej-i trejös, die Distributivzahl ; diese geht offenbar auf den 
Stamm traja zurück, aj ist also zu ej geworden. 

12) Weitere Beispiele im Goth. sind frijon, frijondi, frijonds, 
frijathva, frijei neben frion, friathva, ferner fijan , fijands , fijailiva 
nobenfian, fiands, fiathva. Auch erklären sich auf diese Weise die 
Formen Du. siju, sijids, PI. sijum, sijuth, Conj. sijau, sijais u. s. w. 
Sie sind am nächsten dem griechischen saqoficu (Stamm asja) ver- 
wandt. Das ableitende ja hat eben auch ursprünglich vocalisches i, 
mag es nun mit der Pronominalwurzel oder mit der Verbalwurzel i 
zusammenhängen; und die vocalische Natur des i in dem Verbalsuffix 
ja zeigt sich auch noch im vedischen Sanskrit, aus welchem Benfey 

(Säma-veda S. LIII) zweisilbiges siat (für gew. sjät), siäm (für gew. 
sjäm), sius, sidma nachweist. 

13) Vergl. Bopp, Vergl. Gr. I 2 S. 461. Derselbe hat bereits, 
wie wir, das Pronomen und das Zahlwort in Parallele gesetzt, ohne 
jedoch genauer auf die beiderseitigen Casus einzugehen. 



Relativpronomen. 21 

vorliegt, und dass wir ij als rein phonetische Veränderung 
des stammhaften i vor folgendem Vokale anzusehen haben. 

— Der Nom. PI. F. thrijos aber ist völlig aus der Analogie 
der J-stämme herausgetreten: wie man an dem auslautenden 
os sieht, gehört er seiner Bildung nach den ^L-stämmen an 
(vergl. gibdsy thos). Abermals könnte man vermuthen, thrijos 
ginge auf ursprüngliches thrajos zurück, aber auch diese Ver- 
muthung findet keine Unterstützung. Im Gregentheil ent- 
sprechen dem thrijos in den andern germanischen Dialekten 
wiederum unverkennbar unverstärkte Formen : im Ahd. dnö, 
im Alts, thria, im Ags. threo, im Altfr. thria, im Altn. thri'ar. 
Also auch hier ist jenes ij nur eine phonetische Spaltung 
des einfachen i, nur dass dieselbe hier nicht vor einem Vo- 
kale der Endung, sondern vor einem den Stamm erweitern- 
den a eingetreten ist. Es liegt also hier dieselbe Stamm- 
erweiterung durch alle germanischen Dialecte hindurch vor, 
welche wir oben bei Besprechung des goth. threis im ahd. 
drie und im alts. thria antrafen. Sie zeigt sich ferner noch 
im Dat. PI. des Altfriesischen thrium (neben£ hrim), im Gen. 
PL des Ahd. driero (neben drio), des Ags. thredra, und auch 
aus dem Griechischen gehört eine Form hierher, der Dat. 
PI. TQiölöi bei Hipponax (Krüger, Gr. Sprachl. II 24, 1, 4). 

— Eine echte Bildung vom /-stamme ist endlich der Gen. 
thrifö. Zu ihm stellt sich im Ahd. drio, im Altn. thriggja. 
Letztere Form enthält einen neuen Beweis dafür, dass das 
ij der gothischen Formen nicht als Schwächung von aj gel- 
ten darf, denn aja wurde im Altn. egg ja, wie der Gen. PI. 
tveggja (vergl. den Gen. Du. im Skr. dvajos) beweist. Aus 
dem Kirchenslawischen gehört hierher der Gen. trii, ent- 
standen durch die Mittelform triju aus urspr. trijdm (d. i. 
tri-\-dm), s. Schleicher a. a. O. S. 249. 

Jetzt wenden wir uns zu unserem Pronomen zurück. 
Dasselbe steht insofern mit dem besprochenen Zahlworte in 
näherer Beziehung, als beide Wörter einsilbige /-stamme 
sind, bei denen also das i nicht, Avie bei den übrigen /-stam- 
men, Suffix, sondern in gewissem Sinne wurzelhaft ist. 



22 Windisch 

Daher schreiben sich die gemeinsamen Declinationseigen- 
thümlichkeiten, daher vor allem das Bestreben , das * 
immer ungetrübt in den Vordergrund treten zu lassen. 
Es steht nun im Nom. PI. M. eis parallel dem threis, 
im Nom. Acc. PI. N. ija dem thrija, im Acc. PI. F. ijos 
dem thrijos. Wie threis nach gothischem Auslautsgesetz 
(Schleicher ; Compend. 2 §. 113) aus thrijos, d. i. thri-\-as, 
so entstand eis nach demselben Gesetze aus ijos, d. i. i -\-as; 
wie thrija, thrijos für thri -\- a, thri-\- 6s steht, so steht ija, 
ij6s für i-\-a, i-\-6s. Als wirklich im Stamm erweitert 
darf von den erwähnten Formen nur ijos gelten. In die- 
sem hat der Stamm i hinten den Zusatz eines a erfahren; 
dasselbe gilt aber noch von dem Acc. S. F. ija (Grundform 
i-\-d-7n)\ als zweisilbiger Accusativ hat es das ursprüng- 
liche am im Auslaut, wie die Nomina der ^.-declination 
(z. B. giba) } zu a gekürzt, während derselbe Ausgang im 
einsilbigen tho zu 6 wurde (s. Schleicher a. a. O. S. 158). 

Als eine Art Probe für die Richtigkeit unserer Erklä- 
rung der gothischen Formen kann man folgende Beobach- 
tung betrachten. Wir dürften im Althochdeutschen, das mit 
dem Gothischen die Neigung i vor Vocalen in gewissen 
Fällen zu ij zu spalten nicht theilt, im Acc. S. F. statt ija 
ein ia, im Nom. PI. statt eis ija nach Analogie von drie 
driu ein ie iu, im Acc. PI. F. statt ijos ein io erwarten. 
Aber an Stelle der erwarteten Formen ia, ie, iu, iö findet 
sich thatsächlich sia, sie, siu, sio: wir sehen, es sind wenig- 
stens sehr nahe liegende zum Ersatz gewählt worden. Da 
übrigens alle diejenigen Formen des einfachen 7-stammes 
gewahrt sind, welche durch die Endung einen Consonanten 
gleichsam als Stütze erhalten haben, so ist es mir nicht 
unwahrscheinlich, dass jene andern Formen eben deshalb, 
weil sie keinen Consonanten besassen und somit diesen ge- 
genüber gleichsam als schwach und marklos erschienen, 
aufgegeben wurden. Das gothische si im Nom. S. F. dürfte 
auch seine Geschichte in sich enthalten. Aus ija, d. i. i-\-ä, der 
Grundform des Nom. S. F. (vgl. ahd. siu), war, wie eben si 



Relativpronomen. 23 

wahrscheinlich macht, nach dem Auslautsgesetze (Schleicher, 
Compend. 2 S. 159 No. 4) i geworden; vom Stamme bandjä 
lautet ja auch der Nom. bandi. Jenes ^ war aber vermuth- 
lich den Gothen zu flüchtig, und so trat schon im Gothischen 
der mit s anlautende Stamm ein. 

Das zweite wichtige Pronomen, welches dem Pronomi- 
nalstamme i angehört, ist das lateinische is ea id, zu dessen 
Formen wir jetzt übergehen. Die allgemein üblichen For- 
men is id, der bei Festus und in den Leges XII tabularum 
erhaltene Acc. im oder em 14 ), der inschriftlich belegte Nom. 
PL M. eis, der bei Plautus, Pomponius und Lucretius nach- 
weisbare Dat. PI. ibusy und der gleichlautende Abi. PL ibus 
bei Plautus und Titinius stellen sich so ungesucht zu den 
entsprechenden gothischen Formen is, ita, ina, eis, im und 
scheinen so sicher auf den einfachen /-stamm zurückzu- 
gehen, dass die volleren Formen Nom. S. M. eis, eisdem, 
eidem und Neutr. eidem diesen Einklang unangenehm stören. 
Eis findet sich an drei Stellen der Lex Repetundarum aus 
dem Jahre 631 oder 632 a. U. (C. I. I No. 198), allein an 
26 Stellen der nämlichen Inschrift steht das gewöhnliche 
is. Aehnlich verhält es sich mit den andern erwähnten 
Formen, von denen Nom. S. M. eidem mit den meisten Stel- 
len belegt ist. Ein und dieselbe Inschrift (C. I. I No. 577) 
hat eisdem, eidem, idem, alle drei Formen neben einander. 
Das neutrale eidem kommt nur einmal vor, auf der Lex de 
Termessibus aus dem Jahre 683 a. U. (C. I. I No. 204), aber 
nur wenige Zeilen darauf steht idem in demselben Sinne. 
Vergl. Corssen, Ueber Aussprache u. s. w. der lat. Sprache 
2. Aufl. I S. 717. 



14) Ebel will den Acc. em auf die Grundform aim zurückführen, 
um den Uebergang von ursprünglichem i zu e nicht zugeben zu müs- 
sen, Ztschr. V S. 187. Allein es kann weder bewiesen werden, dass 
em eine von im in der Bildung verschiedene Form ist, noch ist es 
nach meinem Dafürhalten Ebel gelungen, jenen Uebergang als nicht 
existirend nachzuweisen. 



24 Windisch 

Eis und is sind nicht identisch. Dass auf ein und der- 
selben Inschrift dreimal eis neben 26 mal is vorkommt, be- 
weist dies zunächst noch nicht, wenn wir nämlich das ^von 
is für lang ansehen. Langes i ist aber auf jener Inschrift 
zwar meist durch ei ausgedrückt, aber doch nicht immer. 
So findet sich neben je einmal leitis, leitem, leitibus auch je 
einmal slis, lis, litis, litem, litis (Acc. PL), so wird ferner 
primus stets mit i geschrieben, ebenso das einmal vorkom- 
mende petitum, während in der Lex Rubria vom Jahre 705 
a. U. (C. I. I No. 205) peteita zu lesen ist, und namentlich 
preimus auf andern Inschriften sehr oft vorkommt. Allein 
dass das i von is zur Zeit, als jene Inschrift abgefasst 
wurde, also Mitte des 7. Jahrh. a. U. (des 2. v. Chr.), lang 
gewesen sein soll, ist befremdend, da doch auch in der äl- 
teren Litteratur meines Wissens keine Spur davon zu ent- 
decken ist. Ausserdem fallen noch schwerer als die er- 
wähnten gothischen Formen die oscischen Formen Is id, 
erhalten in ts-i-dum, izic und Id-i-Jc, idic ins Gewicht. Das 
Zeichen aber, welches gewöhnlich durch ! transcribirt wird, 
bezeichnet wohl stets einen zum e sich hinneigenden /-laut, 
meines Wissens aber nie einen langen (vgl. Ist = lat. est, 
pid = lat. quid). Mit dem altlat. ei darf es gar nicht iden- 
tificirt werden, denn diesem entspricht auch im Oscischen 
ein ei (in lat. Schrift ei), z. B. im Dat. S. diüvel (Jovi), 
regaturel (rectori). Ganz willkürlich aber würde die An- 
nahme sein, dass f in dem ose. Pronomen erst aus ei ver- 
kürzt sei. Derselben steht ganz besonders das Pronomen 
entgegen, welches jene Verstärkung wirklich und unver- 
kennbar aufweist: es sind dies die einem Stamme ei-so an- 
gehörigen Formen Gen. S. M. ei-seis, eizeis, Fem. eizasc, 
Loc. S. M. N. ei-sei, eizeie u. s. w., s. Mommsen, Unterital. 
Diall. S. 265, Bugge Ztschr. V. S. 2. 

Die Kürze von is ist also ursprünglich ; ebenso ist das 
Neutrum tdem von eidem verschieden. Ob dasselbe auch 
von den masculinen Formen eisdem, eidem einerseits, und 



Relativpronomen. 25 

Tdem (Masc.) andererseits gilt, muss vor der Hand dahin- 
gestellt bleiben (s. S. 231). 

In eis aber fasst Corssen den Stamm ei als Steigerung 
von i auf (Krit. Beitr. S. 529, Ueber Ausspr. u. s. w. I 2 
S. 386). In indogermanische Laute übersetzt würde dies ei 
gleich ai sein, und ein Pronominalstamm ai findet sich wirk- 
lich auch in andern Sprachen nicht selten, freilich meistens 
als erster Bestandtheil pronominaler Compositionen. Der 
oscische Stamm ei-so ist schon erwähnt. Ihm entspricht 
nach Ebel (Zeitschr. II, S. 61) der umbrische Stamm e-ro 7 
erhalten z. B. in den Formen-Gen. S. M. erer-ek (ose. eiseis), 
Abi. S. N. eru-k (ose. eizuc), F. era-k (ose. eizac). Dieser 
oscisch - umbrische Stamm ist identisch mit dem sanskriti- 
schen Stamme tsha im Nom. S. eshas öshd, zu welchem 
die übrigen Casus vom Stamme öta gebildet werden. Ebenso 
ist es im Zend, wo diese Stämme in der Gestalt aesha, 
aeta auftreten. 

Wichtiger ist, dass im Sanskrit ein Stamm ai in selbst- 
ständiger Existenz erscheint, und zwar in einer Anzahl der 
zum Nom. ajam ijam idam gestellten Formen: Instr. PI. M. 
N. e-bhis 7 Dat. Abi. PL M. N. e-bhjas, Gen. PI. M. N. e-shdm, 
Loc. PL M. N. %-shw, dazu kommt der vedische Instr. S. F. 
aj-d und Gen. Loc. Du. aj-os (s. P. W. unter idam). Bop 
(Vergl. Gr. II 2 S. 170) rechnet diese Formen zum Pro- 
nominalstamme a, dem ein i beigemischt sei, und sagt: „Es 
bedarf also nicht der Aufstellung eines besondern Stammes e, 
sondern es ist dieses nur eine phonetische Erweiterung von 
a, und es kommt davon auch der männliche Nominativ aydm, 
aus ^-\-am wie svaydm selbst aus svö (für sva)-\-am." Dass 
die erwähnten Sanskritformen allerdings vom Pronominal- 
stamme a ausgehen, scheint unzweifelhaft zu sein. Dafür 
sprechen vor Allem die weiblichen Formen, die ihnen zur 
Seite stehen: dbhis 7 dbhjas, äsdm, äsu; ferner Formen wie 
asmät, asja } asmin, asjdi, asjds, asjdm. 

Wir haben demnach im Italischen einen Pronominal- 
stamm ai, der von der Basis i ausgegangen ist und, wie 



26 Windisch 

Corssen sagt, auf Steigerung des • beruht. Wir haben im 
Sanskrit einen Pronominalstanmi ai, der von der Basis a 
ausgegangen und, wie Bopp sagt, durch Beimischung eines 
i aus letzterem entstanden ist. Sollten aber die Bildungs- 
principien der gleichlautenden Stämme wirklich so ver- 
schieden sein? Im sanskritischen esha, eta und im oscischen 
eiso berühren sich die beiden Stämme. 

Da es einen Pronominalstamm a und einen Pronominal- 
stamm i in den indogermanischen Sprachen gibt, da ferner 
die Pronominalstämme überhaupt eine unleugbare Neigung 
haben unter einander Verbindungen einzugehen, so sehe ich 
nicht ein, warum man unser doppeltes ai nicht für eine Zu- 
sammensetzung der Pronominalstämme a und i halten dürfte. 
Und da die Pronominalstämme nicht blos nach vorn, son- 
dern auch nach hinten durch Composition zu wachsen pfle- 
gen, so konnte ai sowohl entstehen, wenn vor i ein a trat, 
als auch, wenn zu a ein * kam. 

Es ist schon längst kein Geheimniss mehr, dass die 
Kominalstämme entstanden, indem den Wurzeln der Nomina 
nachgestellte Pronominalstämme mit diesen verwuchsen; 
ebenso bekannt ist es, dass die Flexionsendungen prono- 
minalen Ursprungs sind. Demnach kann es nicht wunderbar 
sein, wenn auch in der nominalen Declination i und a als 
stammauslautende Suffixe dieselbe Neigung haben, welche 
sie als selbstständige Pronominalstämme zeigen: die nomi- 
nalen /-stamme und die nominalen ^.-stamme sind in ge- 
wissen Formen genau genommen .^'-stamme. Am deut- 
lichsten kann man diese Eigenthümlichkeit im Sanskrit 
beobachten. Zum Nom. S. kavi-s heisst der Dat. S. kavaj-e, 
der Nom. Voc. PI. kavaj~asj im Voc. S. kav% liegt der Stamm 
kavai rein vor, und auch im Gen. Abi. S. kaves wird er ent- 
halten sein. Es ist bekannt, dass die /-stamme im Grie- 
chischen hierin mit den sanskritischen völlig übereinstimmen. 
Zum Nom. S. nöXi-g lautet der Gen. S. 7r6?^E-i»g, der Dat. 
S. tioXe-l , der Nom. PI. nole-eg, entstanden aus nolej-og, 
nolej-i, nolej-esj wie die homerischen Formen nolyog, 



Relativpronomen. 27 

Ttolrji, nolrjeg noch deutlich verrathen. Auch das Gothische 
bietet Parallelen, denn der Gen. und Dat. S. der weibl. 
/-stamme hat offenbar den volleren Stamm, z. B. in anstais, 
anstai (dagegen Dat. PI. anstim, Acc. anstins). — Andrer- 
seits entdecken wir an ^.-stammen, z. B. an deva, ai als 
stammauslautendes Suffix im Dat. Abi. PI. deve-bhjas , Loc. 
PI. deve-shu, Gen. Loc. Du. devaj-os, im vedischen Instr. PI. 
deve-bhis (Rgv. VI 16, 1). Dass das e solcher Formen, wie 
jedes e im Sanskrit gleich a-\-i sei, ist zwar meines Wis- 
sens nicht geleugnet worden, aber Bopp (Skr. Gr. § 148) 
hat behauptet, dass dies a-\-i aus a-\-a, d. i. ä geschwächt 
sei. Allein das e in devebhjas deveshu lässt sich nicht von 
dem aj in devajos trennen, und für letzteres wird doch Nie- 
mand ein ursprüngliches devd-os ansetzen wollen. Für die 
Naturwüchsigkeit des e kann man auch noch das Zend 
anführen, das in den Formen, in welchen das Sanskrit e 
hat, den regelmässigen Vertreter dieses Diphthongs, nämlich 
ae zeigt, z. B. agpaeshu = skr. agveshu (Justi, Handb. der 
Zendspr. S. 387). Noch mehr haben die weiblichen Stämme 
im Sanskrit den volleren Stamm, zunächst den auf aj im 
Instr. S. kanjaj-d (kanjd das Mädchen) und im Voc. kanje 
(wie oben leave vom Stamme kam), dann den auf aj im 
Dat. S. kanjdj-di (vergl. nadj-di vom Stamme nadi), Gen. 
Abi. S. kanjdj-äs (vergl. nadj-ds), Loc. S. kanjdj-äm (vergl. 
nadj-dm). Für das Griechische hat Ahrens (Ztschr. III 
S. 81 — 113) diese Erweiterung der ^.-stamme durch i einer 
eingehenden Untersuchung gewürdigt. Abgesehen von Ein- 
zelheiten stimme ich nicht mit ihm überein, wenn er S. 87 
sagt, „dass die Feminina der männlichen Stämme auf a 
ursprünglich durch Zufügung eines i auf ai ausgingen 
(woraus skr. e, lat. ae oder e ), dass aber statt dieses Diph- 
thonges meistentheils gedehntes ä eingetreten ist". Denn 
da im Sanskrit auch die Masculina dieselbe Stammerwei- 
terung erleiden (vergl. deveshu, devajos u. s. w.), so kann i 
nicht ursprünglich Bezeichnung des weiblichen Geschlechts 
gewesen sein. Aber überzeugt bin ich, dass die räthselhaften 



28 Windisch 

Feminina auf w, welche inschriftlich und nach dem Zeugniss 
des Herodian ein t Tt^ogyeyQafi/iiivov hatten, ihre Declina- 
tionseigenthümlichkeiten dadurch erhalten haben, dass % con- 
sequent an das ursprünglich stammauslautende a antrat. 
Ueberzeugend ist für mich besonders, dass die Mehrzahl der 
Appellativa und desgleichen nicht wenige der Eigennamen 
einfache ^.-stamme als Nebenformen oder einfache O-stämme 
als Masculina zur Seite haben, z. B. %qsuo XQsia, r}%t6 rj%rj, 
av&Qomw av&Qtonog u. a. (s. Ahrens a. a. 0. S. 88 ff.), dass 
ferner Plural und Dual dieser Wörter, wo er vorkommt, 
der Analogie der gewöhnlichen O-declination folgt, z. B. 
lE%oi, Iz%lüv , Xs/ovg (a. a. 0. S. 95). Die Vokative rj%dl, 
FoQyoi, 2a7icpOL aber stimmen genau zu skr. kanje. Die 
übrigen sanskritischen Formen liegen insofern etwas ab, 
als das i zumeist an langes a getreten ist, während die 
griechischen Formen , abgesehen von der Verschiedenheit 
der Endungen, stets einen kurzen Laut zeigen: r(%oj-og, die 
Grundform zu rj%ovg steht neben skr. kanjäj-äs, rj^oj-i die 
Grundform zu rjX°h neben skr. Loc. kanjdj-dm, Dat. kan- 
jdj-äi. Indessen haben wir schon oben auf den Iustr. kan- 
jaj-d mit kurzem a aufmerksam gemacht, man vergleiche 
auch die erwähnte vedische Pronominalform aj-d, und dass 
das Femininum nicht von allem Anfang an und durchaus 
stammhaftes langes a beanspruchte, dürften die griechischen 
Wörter wie oöog, vrjoog und ähnliche mit beweisen. Aller- 
dings sind manche Formen noch schwer erklärbar, nament- 
lich die ionischen Accusative auf ovv von Eigennamen, z. 
B. jirjTovv (s. Ahrens a. a. O. S. 94), und hier kommt man 
mit der wohlfeilen Erklärung, dass ov aus co entstanden 
sei, nicht aus. Hauptsächlich diese Accusativformen sind 
es, welche Curtius darin bestärken, für alle jene Nomina 
ein Suffix oFi anzusetzen. Die Masculina tkxtqcoq, firj^cog, 
aus deren vermuthlichem Suffixe er dieses deducirt, schei- 
nen allerdings einer Bildung mit patruus und dem aus ma- 
truelis erschliessbaren matruus zu sein, sie würden dann als 
Grundformen naxqoYog^ firjTooFog haben. Aber mir will 



Relativpronomen. 29 

das Suffix 0F1 namentlich für die femininen Appeliativa 
nicht recht in den Sinn; es scheint ihm jede Analogie zu 
fehlen, und die Einfachheit der Bedeutung von Wörtern wie 
XQ£itü, ij%co, avdio, (.lOQcpto, doxojj eiöco, ttjtcü, tyrjltü, nev^co, 
eveOTCo, änsoTto (vergl. skr. asta Heimat) u. a. würde dies 
auffallende Suffix nicht rechtfertigen. Lautlich könnte man 
AiqTOvv allerdings aus ytrjzoFiv durch Ausstossung des i 
ohne Anstoss erklären, aber eine Analogie hätte eine solche 
Bildung doch höchstens in ygavv, wenn man ygavc als Grund- 
form annimmt (Curtius, Grundz. S. 161). Vielleicht darf 
man ^trjTouv doch auf ^irjzoov, d. i. Aiqioj-ov zurückführen. 
Dann könnte man auch die Accusative ylrjTOvv und Arfcia 
vereinigen : für beide Formen lautet die Grundform Awtojav. 
Als j geschwunden war, konnte aus dem auslautenden octv: 
oov werden, und dann erhielt sich das v: so entstand ^ia- 
toov, Ar]TOvv. Man konnte aber auch — und das ist bei 
den Appellativen Regel geworden — der Analogie der con- 
sonantischen Stämme getreu bleiben: so entstand ylaxoa, d.i. 
das gewöhnliche ^d?jTW. Könnte man der gewöhnlichen ^.-decli- 
nation im Griechischen sicher nachweisen, dass sie im Singular 
auch Formen vom erweiterten Stamme enthielte, so würde 
unsere Erklärung der Nomina auf to bedenklicher werden. 
Nun aber sind alle Singularformen der gewöhnlichen A-de- 
clination vom einfachen Stamme gebildet, und die verstärk- 
ten Stammformen haben sich zu einer besondern, wenn 
auch der Natur der Sache nach schwach vertretenen Decli- 
nation abgesondert. Anders steht es im Plural. Hier be- 
zweifle ich nicht, dass im Dat. Loc. (.iovoai-01 die Stamm- 
erweiterung anzuerkennen ist, und zwar um so weniger, als 
ja in der O-declination Iuxoi-ol und skr. vr-ke-shu, zu de- 
nen sich noch slaw. vlüce-chü gesellt, genau zusammen- 
stimmen (vergl. Schleicher Formenlehre des Kirchensl. S. 246, 
Compend. 2 S. 574). An Epenthese des i im Griechischen 
glaube ich desshalb nicht, weil ja das i der Endung erst 
eine speciell griechische Schwächung eines a ist (s. Schleicher 
Comp. 2 S. 573). 



30 Windisch 

Auch im Lateinischen lassen sich entsprechende Er- 
scheinungen nachweisen. Der auf langes es oder is aus- 
gehende Nom. S. von /-stammen, wie nubes, fames, caries, 
hostis neben famis, canis, hostis u. a. (Bücheier , Grundriss 
der lat. Decl. S. 8) lässt sich nicht besser erklären, als wenn 
wir ihn, wie schon Bücheier (a. a. O.) that, dem Pronomen 
eis zur Seite stellen. Dieser selbständig existirende prono- 
minale Nominativ deckt die angegebene Erklärung jener 
nominalen Nominative vollständig: canis verhält sich zu 
caries wie is zu eis lb ). Den Nom. PL der /-stamme, z. B. 
cwiSj civös, inschr. ceiveis, wage ich nicht mit heranzuziehen, 
da der auslautende lange /-vokal sehr wohl aus ies (vergl. 
stet, sit, inschr. seit, Corssen Ueber Aussprache u. s. w. I 2 
S. 748) entstanden und die ganze Form dem griechischen 
noQTteg gleich gebildet sein kann. Zu den Nominativen 
farnös, canös stimmen vortrefflich die Nominative der 5. De- 
clination effigfös, sjpeci&s u. a., nur dass diese von der A- 
declination ausgegangen sind. Allein ich bin trotz rös nicht 
mit Ahrens (Ztschr. III S. 86) überzeugt, dass die ganze 
5. Declination sich von der l. dadurch unterscheide, dass 
in jener die — nach seiner Ansicht älteren — ^-stamme, 
in dieser die einfachen ^4-stämme zu suchen seien. Denn 
die Bildung des Genetivs wenigstens rechtfertigt dieses 
Scheidungsprincip keineswegs: man vergleiche Gen. S. terrd-i 
und specfö-i, beide Formen scheinen nur durch Annahme 
von ^-stammen befriedigend erklärt werden zu können (s. 
Schleicher Comp. 2 S. 558). Da vielmehr in auffallender 
Weise die meisten der zur 5. Declination gehörigen Wörter 
vor dem e ein i haben (facies, effigies, milities, amicities. 



15) Anders erklärt diese Wörter Ebel, Ztschr. V S. 192, indem er 
behauptet, dass in ihnen die ursprünglichen «/-stamme sich zu Jä- 
stämmen erweitert hätten (aus iä sei durch die Mittelstufe ie zuletzt 
e geworden) oder dass is an dieselben getreten wäre; erstere Annahme 
passe für die Feminina, letztere für die Masculina. Für diese Erklä- 
rungen gibt es aber auch nicht einen sicheren Anhaltepunkt im La- 
teinischen. 



Relativpronomen. 3 1 

glacies, rabies, materies, acies, reliquies, species, pernicies, 
mollities, progenies, luxuries, durities, canities, barbaries), so 
bin ich geneigt mit Ebel (Ztschr. V S. 192), Corssen (Krit. 
Beitr. S. 468) in diesem i den eigentlichen Grund der Trü- 
bung des a zu e zu erblicken. Das es des Nominativs lässt 
sich aber kaum auf dieselbe Weise genügend erklären, wo 
käme das s her? Nehmen wir dagegen hier Antritt eines 
i an ; so trat der so entstandene ^tz-stamm den ^-stammen 
wie canes, hostis, eis zur Seite und erhielt nach deren Ana- 
logie jenes Nominativzeichen. 

Ich glaubte diese allerdings etwas längere Digression 
vom eigentlichen Thema machen zu müssen, weil diese auf 
nominalem Gebiete verfolgte Eigenthümlichkeit der Stamm- 
erweiterung im Lateinischen auch in der Flexion der Pro- 
nomina eine wichtige Rolle spielt. Pronominale /-stamme 
werden auf diese Weise den pronominalen -4-stämmen nahe 
gerückt, und so kommt es, dass gewisse Formen des Pro- 
nomens is ea id und die entsprechenden der Pronomina qui 
quae quod, hie haec hoc sich wechselseitig in ihrer Bildung 
aufhellen. 

In Bezug auf den Nom. S. qui, inschr. quei ist zu be- 
denken, dass er ursprünglich neben quis ohne Bedeutungs- 
unterschied bestand (Bücheier S. 13), und dass sich erst 
im Laufe der Zeit die DifFerenzirung vollzogen hat. Es 
verhält sich nun quis zu quei, wie is zu eis. Die einzige, 
für das Latein aber gewiss nicht zu kühne Voraussetzung 
dabei ist, dass quei, wie das umbrische poi, sein Nominativ- 
suffix s verloren hat; für dieselbe spricht vor Allem die 
Thatsache, dass im Nom. S. M. eidem (inschriftlich neben 
eis-dem bewahrt) eis gleichfalls sein s verloren hat. Dem 
eidem entspricht das gewöhnliche Masc. tdem, in welchem 
wir also den verstärkten Stamm anzuerkennen haben; oder 
sollte Jemand eine Art Ersatzdehnung für verhältniss- 
mässig spät abgefallnes Nominativ-^ in den sonstigen Laut- 
verhältnissen der altlateinischen Sprache begründet finden? 
Ob nun in qui eine Verstärkung des 0-stammes, der in 



32 Windisch 

quod quorum quos u. s. w. offenbar vorliegt, oder des 1- 
stamms, welchem quis quem quibus u. a. angehören, zu su- 
chen sei, lässt sich nicht entscheiden und ist auch von kei- 
nem Belang. Wichtig für unsere Auffassung ist, dass man 
in älterer Zeit (Ennius, Pacuvius) nicht bloss qui vir, son- 
dern auch qui mulier sagte. Es ist sehr misslich mit 
Corssen (Krit. Beitr. S. 542) dies feminine qui auch der 
Form nach ohne Weiteres mit quae zu identificieren. Wir 
werden von unserem Standpunkte mit weit grösserem Eechte 
geltend machen, dass ein Oi-stamm als ein /-stamm be- 
trachtet werden kann, und die /-stamme machen ja im 
Lateinischen bei der Flexion nur einen Unterschied zwi- 
schen persönlichem und sächlichem Geschlecht. Natürlich 
ist hi-ce, hi-c — heic ist gewiss nur zufällig auf keiner In- 
schrift überliefert — ebenso gebildet, und diesen drei ein- 
silbigen Stämmen reihen sich die zweisilbigen Pronomina 
iste ille ipse an, die eben nur in Folge ihrer Zweisilbigkeit 
und der durch sie bedingten Differenz in der Betonung 
von ihnen abweichen : der unbetonte Ausgang ei, i (ent- 
standen aus eis, is) erlag der weitern Schwächung in # 16 ). 

Auf den erweiterten Stamm gehen mit Sicherheit die 
Dative ei, cui, hui-c zurück. Für ei findet sich auf dersel- 
ben Inschrift, welche uns den Nom. S. eis bewahrt hat, an 
sieben Stellen die Form eiei, während zehnmal daselbst die 
gewöhnliche Form zu lesen ist. Hier werden wir aber an 
der Identität von ei und eiei nicht zweifeln, denn noch bei 
Lucretius ist das e von ei stets lang gebraucht (z. B. didi- 
tur ei II 1136), und Ritschi, der über diese Formen Opusc. 
II S. 421 (De argum. acrost Mil. Glor.) handelt, hat dazu 
auch aus Plautus eine ganze Reihe von Stellen gesammelt 
(z. B. Cist. I 2, 19 feci ejus ei quod me oravit copiam). Das 
auslautende lange i, inschr. ei, ist natürlich identisch mit 
dem in dolori fructui rei, es ist eine Schwächung der indo- 

16) Vergleiche zu diesen Nominativen die deutschen Analoga 
Cap. IV. 



Relativpronomen. 33 

germanischen Dativendung ai. Lösen wir von dem skr. 
Dat. S. Tcavajö das Stammsuffix nebst Endung ab, so er- 
halten wir aje, und so würde im Sanskrit das lateinische 
M ohne Zweifel heissen. 

Dem inschriftlichen eiei stellt sich für cui das inschrift- 
liche quoiei zur Seite. Diese Form steht je einmal auf der 
einen der Scipionengrabschriften (C. I. I No. 34) auf der 
Lex Repetundarum (No. 198) und auf der Lex Agraria vom 
Jahre 653 (No. 200) und ist noch fünfmal auf dem letztern 
Gesetze in dem zusammengesetzten quoieique erhalten (s. 
Corssenl 2 S. 731 , vergl. S. 819). Daneben kommt aber 
in der Lex Repet. fünfmal, in der Lex Agraria sechszehn- 
mal die auf den Inschriften überhaupt übliche Form quoi 
vor. Da der regelrechte Dativ des O-stamms in dem Rich- 
tungsadverb quo vorliegt, da ferner quoi für alle drei Ge- 
schlechter gilt, so haben wir das Recht quoi mit quoiei zu 
identificiren und beide Formen auf den verstärkten Stamm 
zurückzuführen. Wenn beide Formen auf ein und dersel- 
ben Inschrift vorkommen, so hat man quoiei eben nur als 
die von Alters her überkommene Sehreibweise zu betrach- 
ten. In der Aussprache war ei, das die Geltung eines 
monophthongischen Lautes hatte, gewiss schon mit dem 
vorausgehenden i zu einem Laute verschmolzen. Wenn 
auch im Sanskrit immer dasselbe ai oder aj erscheint, mag 
nun i oder a seine Basis sein, so macht sich dagegen im 
Griechischen und Lateinischen ein beiden Sprachen gemein- 
samer Trieb der Unterscheidung bemerklich. Der vl-laut 
(d. h. der kurze) ist, wo er secundär ist, zu £ und e, wo 
er primär ist, zu geworden: man vergleiche nole-i und 
eis, rjxol und quoi. Der /-laut hat nur im Lateinischen 
verschiedene Behandlung erfahren, indem er im Griechi- 
schen überall geschwunden ist. In eiei, ei, wo das i des 
Stamms ursprünglich ist, hat sich dasselbe von der Endung 
fern gehalten und sich mit dem vorangetretenen ^4-vokale 
eng verbunden, während im Dat. quoi sich das stammer- 
weiternde i der Endung zugesellt hat. Daher kommt es, 

3 



34 Windisch 

dass quoi bei Plautus 17 ) und Lucretius stets eine lange Silbe 
ausmacht — o und i verschmolzen natürlich zum Diph- 
thongen — , dass dagegen der Dativ ei sowohl ein- als auch 
zweisilbig gebraucht wird. Die spätere Form cüi ist jeden- 
falls eine Wiederauflösung des Diphthongen, nachdem für 
quo in üblicher Weise cu eingetreten, und nachdem das 
Gefühl für die eigentlich sogar doppelte Länge des i längst 
geschwunden war. Das einsilbige lange cui ist das ältere 
quoi. 

In ähnlicher Weise ist nun auch hui-c zu erklären, nur 
dass uns eine Form hoiei allerdings nicht erhalten ist, wohl 
aber wenigstens hoi-ce auf der Tabula Bantina. Auch isti, 
Uli, ipsi wird schwerlich anders entstanden sein ; die weitere 
Sclrwächung der hypothetischen Formen istoi-ei, illoi-ei, 
ipsoi-ei ging vor sich, als nach der Contraction zu istoi, 
üloi, ipsoi der Ton auf die erste Silbe gekommen war. 

Bücheier (a. a. 0. S. 59) will quoi und hoi-ce für Loca- 
tive erklären, ebenso Meunier (Memoires de la Societe 
Linguistique de Paris I p. 55), der auch noch ei für einen 
solchen hält. Ersterer wird durch das kurze i in cui auf 
diese Annahme geführt, letzterer durch eine sonderbare 
Theorie, die wir nachher noch mit einem W^orte erwähnen 
werden; ersterer stellt als echte Dative quoiei und das vor- 
ausgesetzte hoiei hin, letzterer die Richtungsadverbien eo 
quo huc. Allein das verhältnissmässig erst spät auftretende 
cüi, für dessen kurzes i wir oben eine Erklärung gegeben 
haben, kann uns unmöglich hindern, quoi und quoiei zu 
identificiren. Gegen Meunier aber ist zu erwähnen, dass 
es doch ein eigenthümliches Spiel des Zufalls wäre, wenn 
Locativ und Dativ ihre Rolle so getauscht hätten, dass 
der eigentliche locale Casus sich als Dativ, der eigentliche 
Dativ aber sich als rein locales Adverb festgesetzt hätte. 
Dagegen ist es wohl begreiflich, dass, wenn zwei Dativ- 



17) Nach Ritschi, Prolegg. zum Trin. p. 171, vergl. jedoch Büche- 
ier, Grundriss der lat. Decl. S. 59. 



Relativpronomen. 35 

bildungen 18 ) da waren, die eine die Bezeichnung des eigent- 
lichen Dativverhältnisses beibehalten, die andere aber die 
Rolle eines Adverbs übernehmen konnte. Dazu kommt, 
dass ja in hie der echte Locativ erhalten ist, und wir ha- 
ben daher vom Stamme ho die Reihe: echter Dat. ,9 ) hoi-c, 
adverb. Dat. hüc (hierhin), Loc. hie (hier, vergl. dornt). Von 
is und qui sind die hie gleichgebildeten Locative durch ibi 
und ubi ersetzt; von iste und ille lauten sie den zu isti und 
Uli geschwächten Dativen an und für sich gleich, nur dass 
die Locative allmälig immer seltner ohne ein ihnen ange- 
hängtes ce auftraten (isti-c, üli-c). 

Offenbar gehören dem verstärkten Stamme auch die 
Genetive ejus, cujus, hüjus an; auch können wir Bücheier 
nur beistimmen, wenn er (a. a. 0. S. 39) sagt: „die Gene- 
tive illius, istius, ipsius, utrius, alius, totius, solius u. s. w. 
werden aus illoius entstanden sein durch frühe Vereinigung 
des i mit zum Diphthongen und Trübung desselben." 
In illi-us, isti-us ist also das stammauslautende in dem i 
aufgehoben, wie in den Dativen Uli, isti] und wie diesen 
Formen gegenüber von den einsilbigen Stämmen ei, quoi, 
hoi die Dativformen eiei, quoiei, quoi, hoi-ce mit bewahrtem 
Stammvocal gebildet wurden, so ist nun auch in eius und 
in den auf Inschriften, bei Plautus, bei Lucretius vorkom- 
menden älteren Formen quoius, hoius (Corssen I 2 S. 706, 
Bücheier S. 39) der ursprüngliche Stammvocal gewahrt. 
Als selbstverständlich nimmt man an, dass quoius, hoius 
und cujus, hüjus dieselben Bildungen seien, und doch ent- 
sprechen sich die Laute nicht genau. Wer freilich ohne 
Weiteres quo-ius, ho-ius und cü-jus, hü-jus abtheilt, -ius und 
-jus mit -ius in istius identificirt und in allen drei Aus- 
gängen eine sonderbare Genetivendung sieht, für den gibt 



18) Auch wir halten natürlich eo quo huc illuc istuc für Dative, 
und zwar für die Dative einfacher ö-stämme; über eo s. S. 244. 

19) Der Zusatz „echt" bezieht sich natürlich nur auf die Function, 
der Bildung nach ist hü-c ebenso echter Dativ. 



36 Windisch 

es keine Schwierigkeit. Aber mit Hinblick auf den Dat. 
quoi-ei haben wir doch offenbar auch quoius, hoius in quoi- 
us, hoi-us abzutheilen: quoi, hoi stellt wieder den uns be- 
kannten verstärkten Stamm dar, us aber ist eine ältere 
Gestalt des ursprünglichen Genetivsuffixes as, die sich in 
diesen pronominalen Genetiven festgesetzt hat (s. Bücheler 
S. 30), wie ja pronominale Bildungen überhaupt nicht selten 
Alterthümliches bewahrt haben. In diesen Genetiven steht 
i zwischen zwei Vocalen, und zwar vor einem folgenden 
unähnlichen: da kommt die Doppelnatur des * in Betracht, 
dem Diphthonge der Stammsilbe gehört es als Vocal an, 
vor dem unähnlichen Vocale der folgenden Endsilbe aber 
fungirt es als i consonans. Dasselbe mag im Dat. quoi-ei 
der Fall gewesen sein, so lange ei eine von i verschiedene 
Aussprache hatte; sobald es i wurde, flössen die beiden J- 
laute natürlich in einen zusammen. Aber bekanntlich gibt 
es nicht bloss plautinische Verse wie Bacch. IV 9, 16 

Nunc ipsum exurit. ego sunt JJlixes , quoius consilio 

haec gerunt, 
sondern es gibt auch Verse, in denen dieser Genetiv ein- 
silbig sein muss, z. B. Bacch. IV 9, 93 

Persudssumst facere quoius me nunc facti pudet 
In solchen Fällen sollte man quois schreiben. Diese Form 
entstand nämlich, indem an Stelle des us die üblichere Ge- 
netivendung is gesprochen wurde, und nun die beiden I- 
laute, wie im Dat. zu einem zusammenflössen; buchstäblich 
„herausgedrängt", wie Bücheler (S. 39) sagt, wurde das u 
keineswegs. Eine Bestätigung für den einsilbigen Genetiv 
quois liegt in den Zusammensetzungen quoimodi, cuicuimodi, 
nur dass in letzteren auch noch das auslautende s abge- 
stossen ist. In derselben Weise ist der einsilbige Genetiv 
von hie aufzufassen: sowie der Vocal der Endung dem / 
gleich klang (hoi-is statt hoi-us), verschmolzen die beiden 
/-laute, und man sollte in solchen Fällen hois schreiben.. 
Dasselbe endlich gilt von dem einsilbigen Genetive eis (für 
eius, ei-is), der z. B. in einem der aus Aratus bei Cic. de 



Relativpronomen. 37 

nat. deor. II § 109 angeführten Verse steht (Bücheier a. a. 
0.)' atque eius (besser eis) ipse manet religatus corpore 
torto. 2 ®) Allein für gewöhnlich wurde doch aus quoi-us 
hoi-us mit Beibehaltung der Endung us ein cujus hüjus. Es 
ist bekannt, dass im Lateinischen an Stelle eines älteren oi 
sehr oft ein ü im Lauf der Zeit getreten ist: oino, ploirume, 
comoinem sind in der spätem Sprache unum, plurimi, co- 
münem; es wird aber schwerlich noch einen Fall geben, 
wo dies oi vor einem folgenden Vocale stand, wie bei hoius 
quoius. Wenn nun bei folgendem Consonanten das ursprüng- 
liche oi allerdings ohne Rest in dem langen ü aufging in 
der Corssen 1 2 S. 709. 710 angegebenen Weise, so blieb 
dagegen bei folgendem Vocale noch ein Rest von dem 
alten Diphthongen übrig, nämlich der consonantische Laut- 
theil des i 7 und das ist das vor der Endung us in cüj-us 
huj-us stehende /. Gerade so ist endlich das / in öj-us 
aufzufassen: als das ursprünglich diphthongische ei zum 
monophthongischen £ wurde, blieb der /-laut doch noch, 
soweit er consonantisch war, bestehen. Mit diesen Gene- 
tiven in nahem Zusammenhange steht das Adjectiv quoius, 
a } um, später cüius, a, um, das doch nur vermittels des 
Suffixes ia vom Stamme quo gebildet sein kann (s. S. 240), 
und von diesem aus liegt es nahe die lat. Patronymica auf 
&ius zur Vergleichung herbeizuziehen, z. B. Pornpeius, Apu- 
leius. Diese Wörter sind offenbar Ableitungen von den 
Stämmen pompo (oder pompaf), apulo und zwar gleichfalls 
vermittels des Suffixes ia. In beiden Fällen hat sich der- 
selbe phonetische Process vollzogen: das i des Suffixes 



20) Ich bin überzeugt, dass sämmtliche Genetive der lat. 0-de- 
clination auf i so zu erklären sind : liorti ist entstanden aus hortoi-us 
(vergl. quoius), dies wurde hortoi-is, und dies hortois (wie quois hois). 
Die Schwächung des oi zu i vollzog sich aus denselben Gründen, wie 
in den Dativen illoi istoi; s fiel ab. Schleicher (Compend. 2 S. 558) 
erklärt die Genetive der 2. Declination ebenso, nur dass er die Genetive 
quoius, hoius noch nicht zur Unterstützung seiner Erklärung herbei- 
gezogen hat. 



38 Windisch 

bildete einerseits mit dem vorausgehenden o oder a einen 
diphthongischen Laut, der bei quoius schliesslich zu ü, bei 
den patronymischen Bildungen zu e wurde, andererseits 
blieb es i consonans vor dem folgenden Vocale. Diese Auf- 
fassung wird nicht wenig durch die oscischen Formen Püm- 
paü'a7is (== Pompöjanus) und Pümpaiianai (— Pomptjanae) 
unterstützt. 21 ) Etymologisch ist nur ein i berechtigt, aber 
dies erhielt eben zwischen Vocalen einen „weicheren brei- 
teren an ij anklingenden Laut" (Corssen Vocalism. 1 2 S. 
18, vergl. Curtius, Stud. IL S. 186 ff.). Hierauf beruht 
auch die seit Ciceros und Cäsars Zeit (Corssen a. a. 0.) 
auftretende doppelte Schreibung des * zwischen Vocalen, 
z. B. in Pompeüus, Tarpeiius: der Einfluss des i auf den 
vorhergehenden Vocal dauerte noch fort, auch nachdem durch 
denselben aus letzterem in einer frühern Periode das lange 
e geworden war. Dass diese von mir zur Erklärung der 
Genetive Mus, cuius, huius herbeigezogene Theorie von der 
Doppelnatur eines intervocalischen i sich auf die Autorität 
der lat. Grammatiker stützt, bedarf nach Corssens ausführ- 
licher Behandlung (Vocalism. 1 2 S. 301 ff.) keiner weitem Er- 
wähnung. Analogien aus andern Sprachen bringt Curtius 
a. a. 0. 

Auf ganz andern Principien beruht die Erklärung der 
eben behandelten Formen, welche Corssen an verschiedenen 
Stellen seiner Bücher gegeben hat (Krit. Beitr. &. 541 ff., 
Krit. Nachtr. S. 89 ff., Ueber Aussprache u. s. w. d. lat. 
Spr. I 2 S. 307. 3S8. 706. 758. 784. 785). Corssen hält das 
i der Pronomina kic und qui, wo es als Zusatz zu den 
Stämmen ho und quo erscheint, nach Pott's Vorgange (Et. 
Forsch. x IIS. 162) für den Loc. S. des Pronominalstammes 



21) Corssen I 2 304 betrachet ü allerdings als blosses Lautzeichen 
des j, aber eben des volleren j 1 das er S. 18 mit ij interpretirt. In 
der Anmerkung S. 304 widerruft er nur, dass jenes ii auch etymolo- 
gisch ein doppeltes sei. Ich bemerke dies in Bezug auf die Anm. von 
Curtius, Stud. II S. 186, 



Relativpronomen. 39 

^*; er nimmt also an, dass es lang gewesen sei. Diese An- 
nahmen stützen sich auf die griechischen Formen ovroa-l 
ovtcüol zoiTOvt, besonders aber auf die umbrischen Formen 
Nom. S. poi (lat. qui), Nom. PL M. pur-i (lat. qui), Acc PI. 
F. paf-e (lat. quas), Nom. S. M. pis-i (lat. quicumque), Nom. 
S. N. pir-i (lat. quodcumque) (1. A. K. Umbr. Sprachd. I S. 
137), dazu noch auf lat. istius illius u. s. w. Die ursprüng- 
lichen Formen der Genetive und Dative waren daher drei- 
silbig quo-i-ei) ho-i-ei, quo-i-us, ho-i-us] quoius soll sogar im 
3. Verse der Grabschrift des L. Cornelius Scipio Barbatus 
erhalten sein : Quo-i-us forma vtrtutei parisuma füit. Da- 
mit aber ejus nicht aus dem Zusammenhang mit cujus und 
hujus gerissen werde, wird i-i-us, gleichfalls mit Zusatz des 
Locativs i, als Grundform angenommen; aus i-i-us wurde 
„durch Dissimilation" e-i-us ; dann aber wird diese Form ; 
ebenso quo-i-us und ho-i-us P durch Vocalver Schleifung zwei- 
silbig (Ueber Ausspr. u. s. w. 1 2 S. 307), die übrigen Schick- 
sale der Formen werden ungefähr ebenso, wie wir es 
thaten erklärt. — Dieser Erklärung stehen aber doch die 
gewichtigsten Bedenken gegenüber. Erstens ist es eine un- 
bewiesene Annahme, dass das zugesetzte i lang sei. Denn 
in illius istius ist doch in dem i jedenfalls der Stammvocal 
mit aufgehoben, und die Messung quo-i-us in jenem Saturnier 
ist keineswegs nothwendig. Zweitens ist der Vorwurf „des 
Wörterzerhackens" Formen wie quo-i-us gegenüber wahrlich 
keine blosse „Phrase" (Krit. Nachtr. S. 93). Denn der 
Stamm quo, der fertige Locativ i und die Casusendung 
sollen ganz unverbunden neben einander bestehen. Wo 
wäre dazu eine Analogie im Lateinischen, dass ein i zu 
irgend einer Zeit mitten zwischen zwei Vocalen selbst ein 
reiner Vocal geblieben wäre? Drittens ist die Analogie der 
griechischen und umbrischen Formen doch nur eine schein- 
bare. Denn in diesen ist das i hinten an die fertigen 
regelrecht gebildeten Flexionsformen getreten, wo aber 
käme es vor, dass ein solches locativisches Element un- 
mittelbar an einen Stamm getreten wäre? Natürlich müsste 



40 Windisch 

auch das i im Adjectivum quoius quoia quoium so erklärt 
werden , und dann auch das des griechischen notog nola 
nolov. Diese beiden ad jecti vischen Pronomina gehören 
sicherlich zusammen, sie sind possessive Adjectiva zum 
Pronominalstamm ha und bedeuten ursprünglich „wem 
angehörig", wie patrius TtaTgiog „dem Vater angehörig/' 
Das Lateinische hat diese ursprüngliche Bedeutung gewahrt, 
im Griechischen hat sich erst daraus die Bedeutung „wie 
beschaffen" entwickelt. 

Wunderbar ist die Hypothese Meunier's (Memoires de 
la Societe Linguistique de Paris I p. 14 ff.), dass ejus hujus 
cujus aus Zusammenrückung zweier Genetive entstanden 
sei: voran ständen die gewöhnlichen Genetive der Stämme 
eo ho quo, nämlich ei lioi quoi (cui) , diesen habe sich zW, 
der Genetiv des Stammes i, angeschlossen (p. 51). So kommt 
auch Meunier auf Corssens Grundformen e-i-us ho-i-us 
quo-i-us. Nach demselben Principe werden die insehriffc- 
lichen Dative eiei quoiei behandelt. Sie sind nach Meunier 
doppelte Locative, nämlich ei-\- ei (wie em-em) und quoi '-f- ei 
(p. 52). Zu diesen Resultaten ist Meunier durch rein lo- 
gische Construction gekommen. Analogien sind unmöglich 
beizubringen, und ein factischer Beweis, dass jene Formen 
so entstanden, kann erst recht nicht geführt werden. Denn 
als solcher darf doch wahrlich nicht gelten wenn dem 
Verse PI. Pers. 83 _ 

Set eccüm parasitum quoius mihi auxiliost opus 
auf Grund eines den beiden Handschriften C und D gemein- 
samen Fehlers ein quoi mi ius aufgedrängt wird! G und D 
haben quo mihi ius. 

Auf Zurückweisung von Meunier's Ansicht im Einzel- 
nen lassen wir uns hier um so weniger ein, als Corssen 
eine Prüfung derselben nächstens veröffentlichen wird (s. 
Ueber Ausspr. u. s. w. I 2 S. 706). 

Wir haben bis jetzt unter den Formen des Pronomens 
is ea id zwei Arten erkannt, Flexionsformen eines Stammes i 
und Flexionsformen eines Stammes ai. Erstere waren Nom. 



Relativpronomen. 4 t 

S. M. i$, N. id, Acc. S. M. im oder em, Nora. PI. M. eis, 
Dat. Abi. PI. ibus' 1 -) ; letztere waren Nora. S. M. eis (vergl. 
i-dem), Dat. S. ei, Gen. S. e;W. Allein der bei Weitem 
grösste Theil der am meisten gebrauchten Formen ordnet 
sich keinem der genannten Stämme unter: die masculinen 
Formen eum eo et eorum eis eos eis, die femininen ea eam 
ed eae earum eas, der neutrale Plural ea setzen einen 0- 
oder einen ^.-stamin voraus. Es fragt sich nur, welcher 
von jenen beiden Stämmen als Basis des 0- und ^.-Stam- 
mes anzusehen ist, ob i oder ai, mit andern Worten ob wir 
in eum eo u. s. w. die Stämme i-o und i-a oder die 
Stämme ai-o und ai-a zu erblicken haben. Die fraglichen 
Formen zerfallen unstreitig in zwei Gruppen: die, welche 
die erste bilden, wechseln im Anlaut zwischen i und e, 
Nom. Dat. Abi. PI. M. ; die übrigen Formen haben stets, 
auch in den ältesten Denkmälern ein anlautendes e. Für 
den Abi. PI. findet sich aber neben inschriftlichem eeis und 
ieis zweimal auf der Epistula Praetoris ad Tiburtes aus der 
Mitte des 7. Jahrh. a. U. (C. I. I No. 201) (einmal scheint 
die Lesung unsicher zu sein, s. Bücheier S. 68) eine volle 
Form eieis (vergl. Corssen 1 2 S. 760 ; Krit. Beitr. S. 529). 
Diese geht ohne Frage auf den vollen Stamm aia zurück, 
mögen nun Lachmann (ad Lucr. p. 262) und Bücheier (S. 
68) mit Recht oder mit Unrecht auch an einigen Plautus- 
stellen spondeische Messung herstellen. Natürlich dürfen 
wir neben dem Abi. eieis auch das frühere Vorhandensein 
eines gleichlautenden Dativs voraussetzen. Ob nun das 



22) Die Form ibus ist nur mit kurzem ^.nachweisbar, z. B. Capt. 
Arg. 5, Lucr. II 88. Ebenso kommt auch, qidbus nur mit kurzem i 
vor. Dagegen kann man von Mc kein htbus erwarten, da dieses 
Pronomen überhaupt keine von einem einfachen /-stamme gebildeten 
Formen (wie Xs, Xd , fm, quXs, quXd, quem) aufzuweisen hat. So ist 
denn das Mbus mit langem i Mil. Gl. I 1, 74, Cure. IV 2, 20 voll- 
ständig in der Ordnung; es geht diese Form auf den Stamm lio-i 
zurück und sie ist gebildet wie im Sanskrit tebhjas , jebhjas von den 
Stämmen ta-i und ja-i. Vergl. Corssen I 2 S. 758. 



42 Windisch 

inschriftliche ieis und eeis, das iambische gis und einsilbige 
eis is der Litter atur aus jenen eieis durch Kürzung ent- 
standen seien, oder ob es für Dat. und Abi. PI. auch For- 
men gab mit von Haus kurzem Anlaut , diese Frage kann 
nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Vielleicht spricht 
der bis in die späte Zeit fortdauernde Wechsel zwischen 
anlautendem i und e für die erstere Annahme. In gewissem 
Sinne dürfen wir als Parallele den vedischen Genetiv ka- 
jasja in kajasja-Uit (= kasjatit „eines jeden", s. P. W. 
unter kaja) betrachten ; vereinzelt gebildet von einem Thema 
kaja, wie lat. eieis von einem Thema aia, nur dass dieses 
Thema von einem /-stamme, jenes von einem ^.-stamme 
als Basis ausgegangen ist. Corssen (Krit. Beitr. S. 530) 
hält auch im Nom. PI. ieis, eeis (vergl. Ueber Ausspr. 1 2 S. 
752) das anlautende i und e für lang, wie im Dat. PI. ieis, 
eeis. Diese Formen sind auch ihrer letzten Silbe nach 
schwer zu erklären. Das einfache eis is ist jedenfalls, 
analog dem Nom. PI. der /-stamme überhaupt, aus ies ent- 
standen (Corssen 1 2 S. 748), und ich sehe nicht ein, warum 
eis erst eine Zusammenziehung von eeis ieis sein soll 
(Bücheier S. 20); das in schriftliche iei (Corssen I 2 S. 749. 
750), sowie die gewöhnlichen Formen ei i (Ritschi Proll. ad 
Trin. p. XCVIII) sind regelrechte Nominative von einem 
O-stamme, sei es von i-o oder von ai-o: aber ieis eeis tritt 
nur in Parallele zu den ebenso räthselhaften Formen Ruf- 
ieis, magistreis u. s. w., die Corssen a. a. O. S. 752 aufführt 
und S. 756 für plurale Nominative von in die J-declination 
übergegangenen (9-stämmen erklärt. Diese Erklärung ist 
sehr wohl möglich, und lässt sich durch Analogien unter- 
stützen. Aber andrerseits ist es doch wunderbar , dass 
dieser Uebergang gerade nur im Nom. Plur. stattgefunden 
hätte, in keinem andern Casus; die Analogien, welche 
Corssen beibringt, zeigen den Uebergang in der ganzen 
Declination, so z. B. wenn altes hilarus, sterilus in der au- 
gusteischen Zeit als hilaris, sterilis erscheint. Ferner sind 
alle jene pluralen Nominative auf eis der alten Zeit ange- 



Relativpronomen. 43 

hörig und sind in der spätem Zeit verschwunden, man darf 
sie also als besonders alterthümliche Bildungen ansehen. 
Ich gestehe daher, dass ich trotzdem, dass Corssen nichts 
davon wissen will, doch mit Schleicher das räthselhafte -eis 
auf -aias zurückführe, mithin vermuthe, dass die 0-stämme 
auch der nominalen Declination in früher Zeit, wie die 
^-stamme im Sanskrit, eine Neigung gehabt haben sich zu 
6V-stämmen zu erweitern. Nach den Erörterungen von S. 
226 ff. kann diese Annahme nicht mehr als zu kühn er- 
scheinen. Allerdings muss man dann für ieis, eeis ein 
urspr. iai-es ansetzen 23 ), diese Bildung hat aber wenigstens 
im Sanskrit im Gen. Loc. Du. jaj-6s eine Analogie; dass 6s 
die Endung ist, beweisen marut-6s y gagat-os, väk'-os von 
den consonantischen Stämmen marut, g'agat, väJc. 

Leichter ist es über ea eum eam, eo eä, eae ea, eorum 
earum, eabus, eos eas ea zu entscheiden. Für keine dieser 
Formen findet sich eine Spur langen Anlauts. Vor allem 
aber sprechen für die Ursprünglichkeit der Kürze die osci- 
schen Formen Nom. S. F. {uJe (=ea), Acc. S. M. ton-c 
(==eum); die Identität ist um so auffallender, als in diesen 
oscischen Formen das i wenigstens eine Hinneigung zum 
e verräth. Der lateinische Stamm eo ea ist ferner identisch 
mit dem gothischen Stamme ija (S. 27). Dem goth. Acc. 
F. S. ija, dem ose. Acc. S. M. lon-c, dem lat. Acc. S. M. 
eum liegt also nicht der Stamm i sondern der zusammen- 
gesetzte oder erweiterte Stamm ia zu Grunde. Schon oben, 
S. 221 und 222, fanden wir Analogien zu dieser Erscheinung, 
es sei aber gestattet noch auf das griechische xig und %ig 
aufmerksam zu machen. Diese Nominative gehen offenbar 



23) Nur so findet der auf Inschriften, und bei Plautus oft vor- 
kommende Nom. PL heis heis-ce Ms-ce seine Erklärung. Dass für dies 
Pronomen in keinem Casus der einfache /-stamm nachweisbar ist, be- 
merkten wir schon. Wie aber lu-bus auf hei-hus (d. i. hoi-bus) zurück- 
geht, so geht heis auf hei-es (d. i. hoi-es) zurück, Mbus: heis = skr. 
jebhjas: jajos. Beachtenswerth ist auch der Nom. PI. leaya im Zend, 
s. Justi Handbuch S. 76. 



44 Windisch 

auf den Stam tl zurück (skr. ki, lat. qui, germ. M), aber 
den in den ionischen Dialecten oft vorkommenden Formen 
Dat. S. zecp, Gen. PL xecov, Dat. PL Ttoioi, besonders aber 
dem äolischen tlolol liegt ebenso sicher der Stamm ti-\-a 
zu Grunde 24 ). Ebenso verhalten sich unter einander im 
Angelsächsischen Nom. S. N. Mt und F. heo, Dat. S. M. 
Mm und heom, im Altfriesischen Dat. PL M. Mm und Mam 
u. s. w. Die Stämme M und M-\-a wechseln ab. 

Vielleicht könnte gegen die Resultate unserer Untersu- 
chung über is ea id die verhältnissmässig grosse Anzahl 
von Stämmen einnehmen, die sich zu einer Declination ver- 
einigt haben sollen : i ai ia aia y vielleicht auch iai. Indes- 
sen es lässt sich auch hierfür ein Grund finden. Wenn 
wir nämlich den noch nicht erwähnten Gen. S. Fem. eae 
(Charis. p. 162, 10 K.) und den gleichlautenden Dat. S. F. 
eae (Cat. RR. 64, 1 ; Charis. p. 162, 11 K.) herbeiziehen, 
ferner eine dem oscischen Acc. S. N. ioc entsprechende 
Form auch im Lateinischen voraussetzen dürfen, wenn wir 
endlich berechtigt sind im Adverb eo den aus der Reihe 
der lebendigen Casus verschwundenen Dat. S. M. oder N. 
des Stammes eo, im Gen. PL eum (Fest.) dagegen eine 
Form des einfachen Stammes i zu erblicken und den Nom. 
Acc. PL ea sowohl dem Stamme eo als auch dem Stamme 
i zuzutheilen: so lässt sich aus der Fülle der gemeinhin 
zum Nom. is ea id gerechneten Formen mit Leichtigkeit 
die fast vollständige Declination zweier Pronomina, der 
Stämme i und eo (d. i. ia), gewinnen, welche ursprünglich 
selbständig neben einander bestanden. 



24) Wenn die gewöhnlichen Casusformen tivög nvog tlvi nvl 
u. s. w. auf einen Stamm rtv zurückgehen, so beruht auch dies auf 
einer weitverbreiteten Eigenthümlichkeit der vocalischen Stämme. 
Man denke an Jeavinä bhänimä, ferner an civdndm im Sanskrit von 
den Nominativen kavi-s, bhanu-s, civa-s, vergl. Schleicher, Ztschr. IV 
S. 54 und Curtius, Ztschr. IV S. 211. Auf solcher Stammweiterbil- 
dung beruht die sog. schwache Declination im Germanischen, wie 
meines Wissens zuerst Holtzmann vermuthete, Germ. VIII S. 267. 









Relativpronomen. 




4 








Stamm 


IA. 






Masc. 


Sing. 
Fem. 


Neutr. 


Masc. 


Plur. 

Fem. 


Neutr. 


Nom. 


— 


ea 


[ose. ioc] 


ei* 


eae 


ea 


Gen. 


— 


eae 


— 


eorum 


earum 


eorum 


Dat. 


eo 


eae 


eo 


eis* 


eis* 
eabus 


eis* 


Acc. 


eum 


eam 


[ose. ioc] 


eos 


eas 


ea 


Abi. 


eo 


ea 


eo 


eis* 


eis* 


eis* 








Stamm L 






Nom. 


is, eis 


id 


eis 




ea 


Gen. 


eins 






eum 






Dat. 


ei 






ibus 






Acc. 


im, 


em 


id 


— 




ea 



Abi. — 



ibus 



Die mit Sternchen bezeichneten Formen ei und eis können, 
wie wir sahen, auf einen Stamm aia zurückgehen, von wel- 
chem ja ohne Zweifel das in schriftliche eieis herzuleiten ist. 
Dieser Stamm aia verhält sich zu ia, wie in dem zweiten 
Paradigma der Stamm ai zu i: wenn ia eine Weiterbil- 
dung von i ist, so ist aia eine Weiterbildung von ai. Der 
Bedeutung nach können die Stämme i und eo nicht sonder- 
lich verschieden gewesen sein, wie hätten sich auch sonst 
ihre Formen so zu einander gesellen können? Wohl aber 
ist, wie wir seiner Zeit noch näher begründen werden, das 
vorgetretene a nicht ohne Einfluss auf die Function 
des Pronomens geblieben. Die Vereinigung der beiden 
Pronomina mag, wie auch das Gothische zeigen dürfte, vom 
Fem. ausgegangen sein. Da der /-stamm nur zwischen 
persönlichem und sächlichem Geschlecht unterscheidet, so 
pflegte man das Fem. ea auch als zu is und id gehörig zu 
betrachten, und weil es ein eigenes Fem. vom /-stamme 
nicht gab, darum sind auch die Formen des Fem. ea voll- 
ständig erhalten, und ohne fremde Eindringlinge. 

Jetzt kommen wir auf unser Hauptproblem zurück. 



46 Windisch 

Von Bopp einerseits und von Corssen andrerseits werden 
zwei einander völlig entgegengesetzte Ansichten vertreten. 
Beide gehen von den der zweiten Declination angehörigen 
Formen aus; während aber Bopp für wahrscheinlich hält, 
„dass ihr Stamm iö, eti nicht erst auf römischem Boden 
aus dem Stamme * durch einen unorganischen Zusatz ent- 
sprungen sei, sondern dass derselbe auf den sanskritischen 
Relativstamm ya sich stütze" (Vergl. Gr. II 2 S. 163), will 
Corssen einen Zusammenhang dieser Stämme nicht zu- 
geben, weil dann „anlautendes j nicht blos zu i erweicht, 
sondern auch zu ei, e, l verlängert" wäre (Krit. Beitr. S. 
530). Dass der Stamm io, eo nicht erst auf römischem Bo- 
den aus i entstanden sei, dafür bürgt das Gothische, wo 
sich ja, wie im Lateinischen, die Stämme i und ia zu einem 
Declinationsschema vereinigt haben. Die rein vocalische 
Natur des i im Stamme ia, die uns in beiden genannten 
Sprachen entgegentritt, bürgt ferner dafür, dass dieser 
Stamm von dem einfachen i abzuleiten ist; und nur eine 
Bestätigung dieser Schlussfolgerung ist, wenn der Stamm 
aia die Declination des Stammes ia unterbricht (Abi. PI. 
eieis) oder wenigstens Parallelformen zu ihr liefert. 

Die völlige Gleichheit der Bedeutung macht es wahr- 
scheinlich, dass der litauische und slawische Stamm ja, ver- 
treten in lit. jis ji und slaw. i ja je, mit dem lateinischen 
und gothischen Stamme ia identisch sei. Man könnte ge- 
gen diese Identificirung geltend machen, dass ersterer Stamm 
lediglich consonantisches i zum Anlaut habe. Indessen 
dürfte sich wenigstens im Litauischen in der Declination 
des sog. bestimmten Adjectivs, die bekanntlich durch An- 
hängung des Pronomens der 3. Person an das declinirte 
Adjectiv entstanden ist, der Ursprung des Stamms ja in 
einigen Formen verrathen, nämlich im Acc. PI. M. gerus-ius, 
Gen. S. F. gerös-ios, Nom. PI. F. gerös-ios, Loc. PI. F. ge- 
ros-iose, Dat. PI. F. geröms-ioms, Instr. PL F. geroms-iomis, 
(Schleicher Lit. Gr. S. 208, 209). In diesen Zusammen- 
setzungen ist also gegenüber den alleinstehenden Formen 



Relativpronomen. 47 

jus, jös, jos, Jose, jöms, jomis der vocalische Anlaut erhal- 
ten. Denselben vocalischen Anlaut hat das Litauische stets 
— im Verein mit dem Griechischen und Lateinischen — 
an dem Nominalsuffixe ia, das seinem Ursprünge nach mit 
dem Pronominalstamme ia identisch ist (s. Schleicher, Lit. 
Gr. S. 182 ff.), und hier hat das Gothische umgekehrt con- 
sonantischen Anlaut; man vergleiche: Dat. S. lit. dälg-iui 
mit goth. har-ja, Acc. PI. lit. dalg-ius mit goth. har-jans, 
Dat. PI. lit. dalg-iams mit goth. harjam. Man kann sich 
daher wundern, dass das Gothische im selbständigen Pro- 
nomen den vocalischen Anlaut in so auffallender Weise ge- 
wahrt hat, und zwar um so mehr, als die offenbar demsel- 
ben Stamme angehörigen Partikeln ju, jau, jai, jah, jabai 
entschieden consonantisch anlauten. Im Pronomen erhielt 
aber das Gothische und das Lateinische den vocalischen 
Anlaut wahrscheinlich deshalb so treu, weil in beiden Spra- 
chen auch der einfache Stamm i in Gebrauch war: man 
behielt also gewissermassen den etymologischen Zusammen- 
hang beider Stämme im Gedächtniss. Dem goth. ju ent- 
spricht übrigens jedenfalls dem Stamme und der Bedeutung 
nach das lat. jam 25 ); ju verhält sich zu ija, wie jam zu earn 
(abgesehen von den Casusendungen), nur dass jam bekannt- 
lich noch bei Plautus, besonders in der Verbindung nun- 
ciam (vergl. etiam), sehr oft zweisilbig ist, z. B. gleich im 
3. Verse des Prologs zum Trinummus: Adest: em illaec 
sunt aedes: i intro nunciam. 

Dasselbe Schwanken im Anlaut scheint auch die alt- 
hochdeutsche Partikel iu zu haben, wenigstens überliefern 
sie die Handschriften des Otfrid an einigen Stellen mit 



25) Wir stimmen also mit Corssen (Krit. Beitr. S. 503), der dies Adv. 
zur Wurzel div zieht, nicht überein. Die Einwände, welche er gegen 
Ableitung vom Pronominalstamme ia geltend macht, sind sämmtlich 
nicht stichhaltig, und hoffentlich in diesen Untersuchungen widerlegt. 
Dass dem gothischen Pronomen jains die Beziehung in die Ferne 
nicht von dem anlautenden Pronominalstamme i oder ia kommt, soll 
im nächsten Capitel gezeigt werden. 



48 Windisch 

einem Accente über dem i, der die vocalische Natur des 
letztern andeutet (s. Kelle, Otfr. Ev. Einl. S. 157). Ihre 
Identität mit dem gothischen ju ist beispielsweise in der 
Uebersetzung von Matth. V. 28 ersichtlich: r^örj e{iot%r](jsv 
alxrjv sv xfj '/.aydia ccmov, Wulf, ju gahorinoda izai in hair- 
tin sainamma, Otfr. II 19, 5 er huorot sia giuudro in herzen 
iu sar sudro. Vergl. Otfr. IV 7, 50 (tu), V 15, 24 (iü).- % ) 
Aber wir wagen noch mehr, wir wollen auch das sans- 
kritische ja mit dem gothischen, italischen, litauischen, 
slawischen ia und ja identificiren. Das heisst zunächst für 
uns weiter nichts, als dass auch das sanskritische ja eine 
Ableitung von der Pronominalwurzel i ist. Allerdings ver- 
räth das selbständige jas ja jad nie eine Spur vocalischen 
Anlauts, aber meines Wissens hat noch Niemand Anstoss 
genommen, dasselbe jas ja jad in dem Pronomen sjas sjä 
tjad anzuerkennen. Dieses Pronomen hat aber bereits Ben- 
fey in der Einleitung zum Säma-veda S. LVI an vier Stel- 
len (Rgv. I 52, 1. VI 44, 4. VIII 81, 7. X 178, 1) als zwei- 
silbig nachgewiesen (tiam, Benfey tijam), es kommt aber 
noch weit öfter mit vocalischem i vor, z. B. V 32, 3. 4. 5. 
6. 8, VI 27, 4, VII 75, 3. 4, VIII 10, 3, VIII 53, 5, X75, 6. Dazu 
stimmen nun vortrefflich die germanischen Formen mit 
ihrem sicherlich vocalischen i: ahd. siu, sia, diu, die, alts. 
thiu, thia u. s. w. Nehmen wir hinzu, dass sich das Suffix 
ja im Veda „vorwaltend statt der Liquida mit Vocal" (Ben- 
fey a. a. 0. S. LIV) zeigt, so ist es auch von speciell 
sanskritischem Standpunkte aus höchstwahrscheinlich, dass 
der Stamm von jas ja jad ursprünglich ia war, d. h. dass 
er eine Ableitung von der Pronominalwurzel i ist. In Folge 
dessen können wir Dun die oben (S. 246) erwähnten ent- 
gegengesetzten Ansichten von Bopp und von Corssen ver- 
einigen: wir betrachten mit Corssen die italischen Stämme 



26) Prof. Zarncke macht mich darauf aufmerksam, dass der in den 
Accenten besonders genaue Cod. Palatinus nur IV 7, 50 den Accent 
über dem i hat. 



Relativpronomen. 49 

io 7 ia als Weiterbildungen von i und stellen sie doch mit 
Bopp zum sanskritischen Stamme ja, ohne von ersterem 
fernerhin den Einwand fürchten zu müssen, dass dann „an- 
lautendes j nicht blos zu i erweicht, sondern auch zu ei t i 7 i 
verlängert" wäre (Krit. Beitr. S. 530). 

Was das Griechische anlangt, so muss dasselbe vom 
Sanskrit ins Schlepptau genommen werden, denn das 
griechische tig yj o für sich allein könnte mit seinem Spiri- 
tus asper eher auf Ursprünglichkeit des consonantischen 
Anlauts hinweisen, und das bei Hesychius überlieferte 
kyprische i'y für cciwrjv, avxov steht doch nicht in so offen- 
barer Beziehung zu ov, wie im Lateinischen im oder em 
zu eum, wenn es auch beweist, dass auch im Griechischen 
ursprünglich ein einfacher Stamm i lebendig gewesen ist 
Der Spiritus asper von og jj o lässt zunächst entschieden 
consonantisches j voraussetzen. Eine interessante Parallele 
hierzu bietet auf pronominalem Gebiete der» Plural des Pro- 
nomens der 2. Person. Dass die erste Silbe v in vfxeig 
vjuwv mit dem ju in sanskr. jüjam, jushmat, goth. und lit. 
jus identisch ist, unterliegt keinem Zweifel. Aber auch 
dieser Stamm ist kein primitiver, sondern, wie namentlich 
die in andern germanischen Sprachen vorhandenen For- 
men mit vocalischem Anlaute (ahd. tu, alts. Dat. Acc. tu, 
ags. Dat. eöv, Acc. eovic, Gen. eover u. s. w., Heyne Laut- 
u. Flexionsl. S. 321) beweisen, eine Zusammensetzung der 
Pronominalstämme i und u 1 '). Wie also in tyislg der Spi- 
ritus asper an Stelle eines aus i entstandenen j steht, so ist 
dies auch in og ij o der Fall. 

27) Gr. Schulze in seiner Dissertation „Ueber das Verhältniss des 
z zu den entsprechenden Lauten der verwandten Sprachen" (Göttin- 
gen 1867) spricht sich S. 32 ff. ausführlich in derselben Weise aus. 
Beachtenswerth ist sein Versuch auch das goth. izvara, izvis und das 
altn. yctar yffr (sehr häufig yffvar) mit den andern germanischen 
Formen zusammenzubringen. Er erinnert an die oben von uns be- 
sprochene Eigentümlichkeit wurzelhaftes i vor einem Vocale zu ij 
zu spalten : so sei im Goth. statt iu ein iju vorauszusetzen ; ijv-ara, 
ijv-is sei zu izvara und izvis geworden. 

4 



50 Windisch 

Fassen wir schliesslich die Hauptresultate dieses Ca- 
pitels, so weit sie in den Gang unserer weitern Untersu- 
chung eingreifen, nochmals zusammen, so dürfte sich erge- 
ben haben: 

1) Dass der Pronominalstamm ja, wo und in welcher 
Bedeutung er auftritt, als eine Weiterbildung der Pronomi- 
nalwurzel i aufzufassen ist; 

2) dass der Pronominalstamm ja oder ia ausser im. 
Litauischen und Slawischen noch im Italischen und Go- 
thischen in nicht relativer Function vorkommt, und zwar 
in allen diesen Sprachen als einfaches Pronomen der 3. 
Person ; 

3) dass der Pronominalstamm i, wo er wie im Itali- 
schen und Gothischen selbstständig erscheint, gleichfalls 
die Function eines Pronomens der 3. Person hat. 

Wir sehen also, dass das relative ja und das ja des 
Pronomens der 3. Person ausser dem völligen lautlichen 
Gleichklang auch noch etymologisch den Ursprung vom 
Pronominalstamme i gemeinsam haben. Eine weitere An- 
näherung jener beiden Stämme liegt darin, dass das home- 
rische og "i o in Verbindung mit gewissen Partikeln de- 
monstrativ vorkommt, und dass andererseits das slawische 
i ja je in Verbindung mit der Partikel ze als Relativpro- 
nomen verwendet wird. Das nahe Verhältniss aber, in wel- 
chem jene Stämme zu einander stehen, wird uns erst recht 
klar werden, wenn wir untersucht und erkannt haben, wo- 
rin das eigentliche Wesen eines Pronomens der 3. Person 
bestehe, und in welchen Punkten sich ein solches von einem 
Demonstrativpronomen unterscheide. Denn wir nehmen 
nicht ohne Weiteres an, dass der satzverbindenden relati- 
ven Function eines Stammes unmittelbar eine demonstrative 
Function vorausgegangen sei. 






Relativpronomen. 5j 



CAP. III. 



Das anaphorische Pronomen und sein Unter- 
schied vom Demonstrativpronomen. 

Je mehr man die Syntax in das allgemeine Sprach- 
studium hineinzieht, desto mehr erkennt man auch, mit wie 
grossem Rechte auch vom Standpunkte der allgemeinen 
Sprachwissenschaft aus Griechisch und Lateinisch die clas- 
sischen Sprachen genannt zu werden verdienen. Griechisch 
vor Allem steht an erster Stelle, und keine der indogerma- 
nischen Sprachen, auch das Lateinische nicht, übertrifft 
oder erreicht es auch nur an feiner geistiger Durchbildung. 
Natürlich ist hier nicht der Ort, dies Urtheil, mit dem 
unser Gefühl sich schnell einverstanden erklärt, durch An- 
führung von Thatsachen verstandesmässig zu begründen. 
Im Allgemeinen aber kann man sagen, dass das Griechische 
verhältnissmässig am meisten die manigfaltigen Formen und 
Nüancirungen der Anschauungen und Urtheile durch be- 
sonderen sprachlichen Ausdruck bezeichnet und auseinander- 
hält, und zwar thut es dies wiederum verhältnissmässig am 
meisten vermittels uralten Sprachgutes. Gar sehr bedürfen 
diese Gedanken der näheren Ausführung, hier aber sollen 
sie mir nur zur Entschuldigung gereichen , wenn ich die 
folgende Untersuchung auf griechisches Gebiet hinüberspiele 
und, um bestimmte Arten der Pronomina zn charakteri- 
siren, die griechischen Vertreter derselben benutze. 

Demgemäss soll es uns jetzt weniger interessiren, dass 
das gothische is si ita unserem jetzigen er sie es entspricht, 
sondern dass es dem griechischen Bibeltexte gegenüber der 
regelmässige Vertreter des griechischen avcng ist. Bei- 
spiele dazu finden sich auf jeder Seite: Marc. I 8 ith is 
daupeith izvis in ahmin veihamma, avrog Si ßantloei vfiäg 
ev nvevficcTi aylq); Marc. I 7 antbindan shaudareip skohe 
is, kvocci rov [(.iccvTct vwv vTiodi^axcov avtov\ Marc. I 5 

4* 



52 Windisch 

jah usiddjödun du imma, /.ai e^snoqevovTO TCQog avxov, 
Marc. II 5 gasaihvands than Jesus galaubein izt, Idcov de 6 
^Irjoovg Tr t v nlöxiv civtvjv\ Marc. II 8 qath du im, elnev 
avxolg. Da an Stelle des Nominativs ccvtÖg, avxoi , der 
für gewöhnlich die Bedeutung „selbst" hat, 6 und ol in 
Verbindung mit einer Partikel (gew. de) gebraucht wird, 
so steht is und eis nicht selten auch für o de und oi de, 
z. B. Marc. III 4 itli eis thahaidödun, ol de eoiiomov. — In 
ähnlicher Weise ist in der altslawischen Bibelübersetzung 
das Pronomen i ja je Uebersetzung des griechischen avxög 
av%i i avTn , nur dass im Nom. aller drei Numeri das Pro- 
nomen onü eingetreten ist. Als altslawische Beispiele seien 
die oben erwähnten Bibelstellen nochmals citirt: Marc. I 7 
razdresiti remene sapogü jego, Xvöoli xhv if.idvra tcov vtco- 
drjftazcöv avTOv\ Marc. I 5 ischozdaase ze hü njetnu, y.cci 
e^ETioQevovTO jtqoq clvtov^ Marc. II 5 videvü ze . . vera ichü, 
idcov de...Trjv nloxiv ctmiov; Marc. II 8 rece imü, eltisv avzolg. 
(Vergl. Miklosich, Vergl. Gramm, der slaw. Spr. IV S. 82.) 

Die Function des griechischen amog ist aber bereits 
von den griechischen Grammatikern in tieferer Weise auf- 
gefasst worden, als man heutzutage zu thun pflegt. TTäocx 
ävTwvv(.iia Vj S-s-iKTixtj eotiv rj dv acpo q lxtj, sagt Apol- 
lonius Dyscolus in seiner Schrift neql avTcow/idag p. 10 B 
(ed. J. Bekker). Die echte del&c; unterscheidet sich aber 
von der dvacpoQa dadurch, dass sie sich direct auf das 
wirkliche Object in der Aussenwelt bezieht, das bisher un- 
bekannt oder wenigstens bisher noch nicht in die Rede 
eingeführt war, während dvacpood stattfindet, wenn ein in 
der Rede vorher schon erwähntes Object nochmals durch 
ein Pronomen aufgenommen wird. Denn das ist der Sinn, 
wenn Apollonius den dvTcovv/Liiai dsrATixal die tlqcotyj 
yvcootg zuschreibt, den dvacpoQLxal aber die devxeqa 
yvcoGtg: De pron. p. 77 B 71qc6t7j yccQ fj diä tcov 
deixTLKajv dvTcovvfxuov yvcooig; De constr. II p. 98, 3 
Idlco/ua avacpoyäg 7TQoy.aT£iley/uevov nooöconov devTtoa 
yvojoig. Der Schluss der zuletzt angeführten Stelle lautet : 



Relativpronomen 53 

rp (sc. dsvz€()(xv yvCoötv) enayyeXXeTat fj avTog avT(ßvvf.iia, 
Das griechische avxog ist also ein relatives Pronomen in 
dem eben angegebenen Sinne, d. h. es kann nur zur Be- 
zeichnung eines solchen Objects gebraucht werden, das 
vorher in der Rede genannt ist. Ausserdem werden als 
avTtovvf.iLcu avacpoQLHtti bezeichnet die Formen % ov m s 
(de pron. p. 10 B), dazu kommen aber die beiden von Apol- 
lonius ag&Qcc genannten Pronomina ; d. i. der Artikel im 
engern Sinne r\ 16 und das Relativpronomen im engern 
Sinne og rj 0: r t tcov ocq&qcov orjixaoia dXXoT^la delt-ewg xa- 
&£OTr]7.€v, STiayyeXXeTca de dvacpogcxv, fütcv avanoXovfÄevov 
.TQogco/iov (De pron. p. 16 A). 28 ) Apollonius geht so weit 
in der strengen Durchführung seiner Principien, dass er in 
den Fällen ; wo der Satz mit 6g voransteht , dies letztere 
gar nicht als Relativum anerkennt , sondern es zu den 
aoQLOxa ia.6qlcc rechnet (vergl. Schümann, Animadversionum 
ad yeterum grammaticorum doctrinam de articulo cap. II p. 
13). Da nämlich Apollonius (De pron. pag. 10) die av- 
Tü)w/.ila definirt als: Xe^iv ävc ovouazog 7tQogwsiiov töQio- 
fiievtov 7iccQaoTccTr/.t]v, didcpogov xcctcc rijv tctloolv xal dgiS-fiiov^ 
ot€ xal yivovg eovl xazcc %y\v yiovrjv anaQi(,icpaxog (vergl. 
Schümann, Redetheile S. 121), so entzieht er allen unbe- 
stimmten und ebenso den fragenden Fürwörtern den Namen 
dvTOjpvf.ila und nennt sie doQWTCc (.lOQta. Dagegen gehören 
nach Apollonius zu den avTcow^ilai deiKTixat die Pronomina 



28) Eine genauere und weiter gefasste Definition des cüq&qov 
führt Schümann (Animadv. ad vet. gr. doctr. de art. cap. II p. 11) 
aus den Scholien zu Dionysius Thrax an , deren Verfasser hauptsäch- 
lich aus Apollonius schöpften : ^L^&qov töil psQog loyov ovvaQT(6- 

{AEVOV TlTCüTlXOig XUTCC 71KQCC&8GIV 71 QOT aXTtXÖüg 7} VTlOTaXTlXCÖg [ASTCt 
TIOV GV/U7T(XQ€7TO/U£V(üV T$ OVO/LUXTl ■> &ig yVCOÖlV TlQOVTlOXtl {LieVrjV , 07Z8Q 

xalitrai avcccpoQcc. Durch den Ausdruck sig yvxoßiv nQovnoxfi/usvrjv, 
von Schömann übersetzt „notionem iam prius mente conceptam revo- 
cans" wird dem gew. Artikel wenigstens nicht bloss die Beziehung 
auf in der Rede vorher erwähnte Objecte, sondern auch die Beziehung 
auf allgemein bekannte Objecte zugestanden. 



54 Windisch 

der 1. und 2. Person, von denen der 3. Person ixelvog, 
ode, ovtoq. Allein diese beiden Hauptklassen, die anapho- 
rischen und die deiktischen Pronomina, stehen sich in der 
Wirklichkeit nicht so scharf gegenüber, als man nach der 
Theorie erwarten könnte ; Apollonius sagt ausdrücklich : 
ai Kctra ttqwtov yial Öevteqov t uoviog deixTixat , ai xccca to 
tqItov xal dsiKTiKotl nai ävacpoQLxal (de pron. p. 10 B). 

Es ist von hohem Interesse, dass auch die indischen 
Grammatiker die Kategorie des anaphorischen Pronomens 
gefunden haben. Dem griechischem Ausdrucke dvacpood 
entspricht der indische Ausdruck anvddöga, den Pänini II 
4, 32 und 34 gebraucht. Die erstere Regel lautet idamo 
^nvddege *g anuddttas trtijdddu, an Stelle von idam tritt bei 
nochmaliger Erwähnung vom 3. Casus an (d. h. im Instr. 
Dat. Gen. Abi. Loc.) das unbetonte (Pronominalthema) a 
ein. Der Sinn dieser Regel ist offenbar, dass die Formen 
asmdiy asja, eshdm u. s. w. , wenn anaphorisch gebraucht, 
unbetont sein sollen, nicht aber, wenn sie einer tiqiotij 
yvojöio, dienen. Aehnlichen Inhalt hat die zweite Regel, 
dvitijdtauhshvenah (man ergänze aus II 4, 32 idamo *nvä- 
degS und anuddttah) , an Stelle von idam tritt bei nochma- 
liger Erwähnung im Acc. aller Numeri, im Instr. S., im 
Gen. und Loc. Du. das unbetonte (Thema) öna ein (also 
enam endu endn önena enajoh). Dass aber anvddtga wirklich 
soviel bedeutet als dva(pogd, geht aus der Kdgikd zu II 4, 
32 hervor: dd%gah kathanam, anv-ddegah nukathanam ; 
kathanam bedeutet „Erzählung, Erwähnung", folglich anu- 
kathanam „nochmalige Erwähnung". Auch das Participium 
anvddishtah wird an einer Stelle, VI 2, 190, gebraucht: 
purushaglc anvddishtah, auch ein Compositum, dessen erstes 
Glied anu, dessen zweites Glied purusha ist, hat , wenn es 
bedeutet „der erwähnte Mensch", den Acut auf der letzten 
Silbe (also anupurushd). Der Commentar erklärt anvddishtah 
mit kathitdnukathitah, d. i. „nach Erwähnung nochmals er- 
wähnt". Indessen dürfen wir nicht verschweigen, dass die 
ersten beiden Regeln noch eine andere Auffassung zulassen. 



Relativpronomen. 55 

Man kann nämlich idamö von nvddege abhängen lassen, so 
dass die Uebersetzungen lauten müssten: „Wenn idam zum 
zweiten Male gesetzt werden sollte, so tritt an Stelle des- 
selben vom 3. Casus an das unbetonte (Pronominalthema) a 
ein" und „Wenn idam zum zweiten Male gesetzt werden 
sollte, so tritt an Stelle desselben im Acc. aller Numeri^ 
im Instr. S. und im Gen. Loc. Du. das unbetonte (Thema, 
ina ein". In dieser Weise ist die letztere Regel von 
Ballantyne, Laghu kaumudi (2. ed.) p. 95 No. 306, und von 
M. Müller, Skr. Gr. § 270, verstanden worden, während 
Böhtlingk, Skr.-Chrest. S. 278, anvddega mit den Worten 
„Zurückverweisen auf eine vorher erwähnte Person oder 
Sache" erklärt, mithin unsere obige Auffassung aufgestellt 
hat. Aber auch wenn wir Ballantyne und Müller folgen, 
bleibt doch im Wesentlichen der Inhalt jener Regeln der- 
selbe, nur ist es dann nicht mehr gestattet, anvddega als 
Terminus technicus mit ävacpogct zusammenzustellen. Für die 
Sanskrittexte dagegen ist die Auffassung jener Regeln von 
grösserer Tragweite. Denn nach Ballantyne und Müller 
würden die Formen des Stamms tna nur dann zu Recht be- 
stehen, wenn im vorhergehenden Satze zur Bezeichnung 
derselben Person oder Sache eine Form des Pronomens 
idam gebraucht worden wäre. Thatsächlich findet sich aber 
ena sehr oft, ohne dass eine solche vorausgeht, z. B. 
Nal. III 16 pragagamsugk' a supritd nalam td vismajdn- 
vitdh na k'a-önam abhjabhdshanta manobhistvabhjapügajan, 
und hocherfreut priesen sie den Nala voll Verwunderung, 
redeten ihn aber nicht an , sondern lobten ihn im Herzen, 
Ait . Br . 1 1 jad ekddagakapdlah purdddgö dväv ag 71 ävishnü, 
kd-tnajos tatra klptih, kd vibhaktir iti? wenn Reiskuchen 
in elf Schüsseln und die zwei, Agni und Vischnu da sind, 
welche Anordnung ist da für die beiden, welche Verkei- 
lung.? Rgv. I 163 ? 2 (upastutjam mäht gdtam te arvan.) 
jamena dattam trita önam djunak, indra enam prathamo 
adhjatishtat , (zu preisen ist deine grosse Geburt, Ross.) 
von Jama geschaffen schirrte es Trita an, bestieg es Indra 



56 Windisch 

zuerst. In solchen Fällen könnte man £na in Ua ändern 
wollen, aber der Text des Veda ist doch zu gut überliefert, 
als dass man sich eine solche Aenderung erlauben dürfte. 
Schliesslich sei nur noch die entsprechende Regel aus 
Vopadeva's Mugdhabhoda erwähnt, III, 132: dvitduszdditajor 
6nd 'nüJctdu, an Stelle von ida und öta soll im Acc. aller 
Numeri, im Instr. S., im Gen. und Loc. Du. 3na eintreten 
bei nochmaliger Erwähnung. Im Commentar wird anüktdu 
(Loc. von anükti) erklärt durch vktasja pagltdduktdu, bei 
Nacherwähnung von Erwähntem. In den Beispielen, welche 
hier, und auch in denen, welche die Regeln bei Pänini er- 
läutern sollen, steht allerdings stets im ersten Satze eine 
Form von idam, wahrscheinlich aber eben, um den Unter- 
schied zwischen dem deiktischen und dem anaphorischen 
Pronomen zu zeigen: dbhjdw Ichando 'dhitam, atho dbhjdm 
vjdkaranamadhijate , von diesen ist der Veda studirt wor- 
den, von ihnen wird auch die Grammatik studirt (zu Pä. 
II 4, 32); anena vjdJcaranamadhttam, enam Ichando 'dhjdpaja, 
von diesem ist die Grammatik studirt worden, lass ihn den 
Veda studiren (zu Pä. II 4, 34); anöna pügitah krshno 
'tha-triena girigo 'r~tiitah y von diesem ist Krischna verehrt 
worden, und es ist auch Qiva von ihm gepriesen worden, 
u. a. m. (zu Vopad. III 132). Benfey's Uebersetzung dieses 
Beispiels (Vollst. Gr. §. 777 VI) „von diesem wird Krischna 
verehrt; aber von diesem (tntna) Siva" ist mehr als 
zweideutig. 

Wir kehren jetzt zum Griechischen zurück. Die Pro- 
nomina der 1. und 2. Person lassen wir jetzt gänzlich bei 
Seite, nur die der 3. wollen wir ihrem Wesen nach er- 
gründen. Die drei Pronomina öde ovxog exelvog werden 
von der letzten Bemerkung des Apollonius nicht in gleichem 
Masse betroffen. Allerdings können alle drei Pronomina 
direct ein Object in der Aussenwelt bezeichnen, aber — 
um uns zunächst nur auf die Vergleichung von ovrog und 
öde zu beschränken — omog ist doch vorwiegend anapho- 
risches Pronomen, während öde vorwiegend echt deiktisches 



Relativpronomen. 57 

Pronomen ist. Ovrog wird verhältnissmässig selten auf 
eine unbekannte oder bisher noch nicht erwähnte Person 
oder Sache, die man mit den Sinnen wahrnimmt, hinzeigen 
und sie in die Rede einführen, in den meisten Fällen ist 
auch da, wo ovrog auf ein Object in der Aussenwelt direct 
hinweist, schon vorher von demselben die Rede gewesen. 
Für die eigentliche ugcorrj yvcooig wird mit Vorliebe das 
Pronomen bde verwendet, und dieses kommt selten ana- 
phorisch vor. Vortrefflich kann man den Unterschied 
dieser zwei Pronomina an einigen Stellen der Teichoskopie 
beobachten. Priamos ruft die Helena zu sich auf die Mauer- 
zinne, damit sie mit ihm das glänzende Schauspiel be- 
trachte, besonders aber damit sie ihm die achäischen Hel- 
den vor ihnen mit Namen nenne. So fragt er : 

F 166. cog fioi Kai t6v6' avdga 7reXa)Qiov i^ovofi^vrjg ^ 

ogrtg d 3 sorlv ^A%aibg ävrjQ rjvg x€ fisyag re . . 

192 £lti aye (.101 Kai zovde, qplXov reKog, ogvig 

O SOTLV . . 

226 rig r aq od* aXXog *A%aibg avr t Q rfig re 

(.dyag re . . 
Charakteristisch ist nun, dass Helena in den Antworten 
jedesmal das Pronomen ovrog gebraucht: 

178 ovrog y ^Aroeldrjg evovKQeitov ^Ayafiefivwv . . 

200 ovrog ö* av ^iaeQriddrjg, noXv^ivpig 

3 Oövoosvg . . 

229 ovrog tf ^äl'ag eorl neXwoiog, egKog 

3 A%au5v. 
Offenbar weist hier ovrog gleichfalls direct auf die Hel- 
den selbst hin, aber doch erst bei der zweiten Hinweisung, 
nachdem durch jenes ode und rovöe schon constatirt war, 
um wen es sich handele; ovrog bedeutet hier soviel als 
„dieser dort, nach dem du mich gefragt hast". Ebenso 
offenbar ist der Hinweis auf ein in der Aussenwelt befind- 
liches Object T 8. Thetis kommt ihrem Sohne die Rüstung 
zu bringen und trifft ihn jammernd am Leichnam des Pa- 
troklos. Da sind ihre ersten Worte: rexvov efx6v y rovrov 



58 Windisch 

fjtev iaoo/iisv a%vi(.tbvoi ntq heio&cu. Aber trotzdem dass 
tovtov fast das erste Wort in der Rede der Thetis ist, 
dient es doch keiner Tigtorrj yvtooig. Denn Patroklos war 
schon viel besprochen und bejammert worden; an diese 
Thatsache knüpft Thetis an, so dass tovtov den Sinn hat 
„diesen, den viel bejammerten". Aehnlich verhält es sich 
cp 334. 

Im Ganzen finden sich die Beispiele der, wir können 
sagen sinnlichen, öel^lq verhältnissmässig selten. Denn sie 
gehören eigentlich nur der lebendigen Rede an und kommen 
deshalb nur da in der Litteratur vor, wo Personen wie 
Lebende in bestimmten Situationen auftreten und sprechen, 
also namentlich im Drama und überall, wo in Poesie oder 
Prosa die dramatische Form eingeführt ist. Wie sehr hier- 
bei das Pronomen oöe überwiegt, lässt sich gut an dem 
Eingange des Oedipus auf Kolonos beobachten. Hier geht 
ja das Zwiegespräch zwischen Oedipus und Antigone, dann 
deren Verhandlung mit dem Fremden unter fortwährenden 
directen Beziehungen auf die ertlichkeit vor sich, und so 
findet sich ode V. 1 — 116 zwanzigmal unmittelbar in die 
Aussenwelt hineinweisend (16. 19. 29. 32. 33. 36. 45. 54. 57. 
59. 64. 67. 79. 85. 98. 101. 109. 110. 111. 114). Nur selten 
kommt es in anderem Sinne vor (22. 61. 79. 94), ovxog ist 
überhaupt wenig gebraucht (25. 46. 62. 68. 88). Vergleiche 
Eur. Hec. 259. 263. 264. 29 ) 

Allein wie schon angedeutet, ist dies wohl die stärkste 
Art der dsl&g, aber nicht die einzige. Weit häufiger 
weisen die Demonstrativpronomina auf das sprachliche Bild 
des realen Objects, das Wort, hin, weit häufiger insofern, 
als wenigstens in der Sprache der Litteratur (nicht der des 
gewöhnlichen Lebens) die besprochenen Objecte nicht als 
in Wirklichkeit zugegen gedacht werden können. Aber 



29) Es sei noch erwähnt, dass ode in Anwendung auf die Zeit die 
bevorstehende Zeit bezeichnet , z. B. / 78 vvg <T 77 (T rjk diaoQaiatt, 

ÖXQaxbv r}h 0~ct(6o*£i. 



Relativpronomen. 59 

auch da zeigt sich der nämliche Unterschied zwischen 
ode und omog. Während omog auf Vorhererwähntes oder 
Bekanntes zurückweist , führt ode noch nicht Erwähntes 
ein und zeigt auf dasselbe hin als auf Etwas Neues. Man 
kann beobachten, dass in einer von der Wirklichkeit ganz 
abgelösten Rede omog viel öfter gebraucht wird, als ode, 
weil es in der Natur der Sache liegt, dass öfter durch Hin- 
weisung auf Vorhererwähntes die Rede weitergeführt, als 
dass in nachdrücklicher Weise auf Kommendes hingewiesen 
wird 30 ). Man lese beispielsweise das 1 . Buch von Platon's 
Politie, und man wird sich wundern, wie selten den vielen 
Formen von ovtog gegenüber das Pronomen ode gebraucht 
ist. In der Geschichtserzählung zeigt sich der Unterschied 
zwischen omog und ode recht schlagend, wenn ersteres den 
Inhalt einer direct angeführten Rede jemandes schliesslich 
nochmals zusammenfasst (rccvTct eXeye u. dergl.), letzteres 
dagegen auf den Wortlaut, der erst folgt, hinweist. Beides 
ist vereinigt Herod. VI 53 : Tarnet f.iev AwAedai^iövioi leyovot 
(xovvoi c EXkrjva)v } xade de xcctci %avia Xeyojiteva vn 'Ellrj- 
vcüv iya> ygacpto. Die eine Tradition ist erzählt, die andere 
soll erzählt werden. Nur eine Besonderheit scheint es zu 
sein, wenn omog, ohne auf Vorhererwähntes hinzuweisen, 
ein allgemein bekanntes Object bezeichnet, z. B. Oed. R. 
562 tot ovv 6 f-iavTig omog rfv ev tjj teyrvr); Gemeint ist 
Tiresias „jener berühmte Seher". Das allgemeine Bekannt- 
sein kommt einer ausdrücklichen Erwähnung gleich. Hier- 
mit hängt meiner Ansicht nach zusammen, wenn, was so 
oft geschieht, ein omog vorausgeht, und dann die Person 
oder Sache, welche gemeint ist, erst in einem Relativsatze 
näher bezeichnet wird, z. B. H 30 /<^ e\xey ovv omog ye Xaßoi 



30) Ein hübsches Beispiel ist Herod. V 5 ineäv (Sv rig avidöv 
äno&dvr), xgi'aig yivettu fieyakt} töiv ywaixdJv xccl (piXaiv önovSccl 
ia%vQC(i 7i€Qt rovde, fjug avrifov icpiXs'eto (xaXiaia vnö tov ävdgog. 
Bei Herodot finden sich überhaupt verhältnissmässig viele solche Bei- 
spiele, vergl. noch §. 7 Oeovg rfl aeßovrca povvovg jovctdi, !kqecz 
xai Aiovvaov xccl Ziqtffxiv. 



60 Windisch 

%6log } bv ob cpvldoosig, Herod. VI 52 leyovot avxbv *Aqi- 
OTodr^wv .... dyaytlv ocpiag elg zavirjv %m %toQ?p, t/jv vvv 
£kt€cctcu. Es ist dies gewissermassen eine rhetorische Figur : 
man stellt sich, als ob eine Person oder Sache allgemein 
bekannt, als ob Jedermann wüsste, welche gemeint wäre, 
und bringt die unumgänglich nöthige Charakteristik (das 
logische Prius) in einem Relativsatze nach. Dass diese 
Auffassung richtig ist, geht daraus hervor, dass auch 
exelvog ganz ebenso gebraucht wird, wie wir sogleich noch 
besprechen werden. 

Das dritte Demonstrativpronomen, sxelvog, xelvog, hat 
als hauptsächliche Eigenthümlichkeit , sich auf Entferntes 
zu beziehen, und steht insofern zu oöe in einem gewissen 
Gegensatze : es bezeichnet immer, wenn es in die Aussen- 
welt hin einweist, ein entfernt oder seitwärts befindliches 
Object, z. B. E 604 xal vvv oi ndqa xelvog^Aor^g, ßQoxoj 
avdql eoixcog (Diomedes sagt dies zu den Achäern, nach- 
dem er mit ihnen vor Hektor und Ares zurückgewichen 
ist, vergl. 600 und 607); o 239 ovtco vvv (xvrjOTTjQeg iv 
l^iextQOiOi dof-iotGLv vsvoiev xsgoaldg ÖEÖfirj/divoi ... cos vvv 
3 Iqog sxelvog In avlelyoi d-voyGiv fjoxai vevoxdtiov 
xecpaXq . . . . Arist. Ritt. 1196 ollyov fioi fielet' sxeivoil yctq 
cog su £Q%ovTai — uQeoßsig. In den seltenen Fällen, in 
denen omog mit oöe wechselnd direct auf Objecte hinweist, 
hat ersteres dieselbe Function, wie exelvog, während oöe 
ohne Zweifel zur Bezeichnung des Näheren dient, z. B. 

109 TOVTCÜ f.liv d-£QCC7lOVT8 XO/LtelxtoV , T CO 6 8 Si VWl 

Tqcoglv iqj I7c7r.0ddf.101g l&vvo/uev (xioöe sind die Rosse, 
welche Diomedes selbst lenkt, tovtw sind die des Nestor); 
Plat. Apol. 33 E 7cdvxajg de 7cdoeioiv avztov noXXol evzav- 
#0*, ovg syco o(jo),tcqcüt;ov fiiev Kqltwv ovtogl, e^iog qlixicü- 
Ttjg xal örjuoTrjg, KoixoßovXov xovöe naTrjo' eneiia Avou- 
viag 6 Scprj/cLog, Aio%Lvov xovöe 7caTt]Q' stl ^Avtiodwv o 
Krjyioievg ovtoöi, ^E/ciyevovg naxrjq xtX. Natürlich ändert 
sich im Principe Nichts, wenn wir an dieser Stelle ovtogl 
mit „dort", covöe mit „hier" übersetzen. 



Relativpronomen. ß\ 

Ein Pronomen aber, das wie ixelvog so offenbar ur- 
sprünglich zum Ausdruck der Ferne dient, ist ganz beson- 
ders geeignet in der von der Aussenwelt losgelösten Rede, 
in der Erzählung eine Rolle zu spielen. Wir brauchen 
uns nur die in der Ferne befindliche Person oder Sache 
als in Zeit oder Raum hinter uns liegend und mithin als 
gekannt und gewusst zu denken, dann ist es sehr wohl 
begreiflich, dass ixelvog in der Rede auf Vorhererwähntes 
sich zurückbezieht. Gewöhnlich enthält es noch eine An- 
spielung auf das Entferntsein oder die Abwesenheit des 
Objects, z. B. B 330 xelvog tcoq äyooeve. Gemeint ist 
Kalchas, dessen Worte eben 323 — 329 angeführt sind ; aber 
sie befinden sich in einer Rede des Odysseus, die dieser 
neun Jahre später vor den Achäern hält. Aehnlich ist es, 
wenn Nestor y 317 zu Telemachos sagt: a)X ig [iiv Mevelaov 
eyco xelo/LtaL itai avcoya sl&etv xelvog yäq viov aXXod-ev 
elXrjXovd-ev ix tcov ävd-owncov , o&ev ovx eXttolto ye S-vf-uu 
iX&ip.&v. Menelaos wohnte eben weit weg. Oed. Col. 1760 
und 1763 bezeichnet es den gestorbenen Oedipus, Oed. R. 
253. 255. 257 den längst verstorbenen Laios. Aber sehr 
oft bezieht sich ixelvog einfach auf eine — vor einer 
andern — erwähnte Person oder Sache, z. B. r 440 vvv 
f.tsv yag Mev&Xaog ivlxrjoev ovv^Ad"qvrj 7 xelvov S'avrig iyco. 
Herod. V 13 o S'afxelßexo , xiveg de ol Ilaloveg olv&qüjtioi 
eioi xal xov yrjg olnrjuevoi, xal xt ixelvoi id-eXovxeg 
eXSotev ig Zagdtg. Xen. Cyrop. I 4, 10 ovtco dr, 6 Kvgog 
elgxofulöag %a d-rjQta iöiöov xe xqj nanny) xal eXeyev, oxi 
avxbg xavxa ^rj^aosLev ixeivoj. Auffallend sind besonders 
die Stellen, wo ixelvog zur Bezeichnung derselben Person 
mit auxog wechselt, wie z. B. Plat. Prot. p. 310 D av 
avTot öiöug aqyvQiov xal neL&rjg ixelvo v, noirpei xal oe 
oo(pov. 

Dass ixelvog bei allgemein bekannten und berühmten 
Objecten gebraucht wird, wie ovxog, ist Etwas Gewöhn- 
liches und bedarf nicht erst der Belege. Im Lateinischen 
gebraucht man ja ille, im Deutschen jener ebenso. Endlich 



62 Windisch 

stimmt iy.eivog auch darin mit ovrog überein, dass es dem 
erläuternden Relativsatze oft vorausgeht, wie in jener be- 
kannten Stelle: L 158 xElvog 6 av tleqi xtjqi {iccxdoTaTog 
E^oyov alXcov, og xs (/ Mdvotot ßgloag omovö* dydyrjtcu. 
Solche Stellen, wie diese störten den Apollonios sehr, weil 
er in die Definition der dvT(ovv/ula aufgenommen hatte, 
dass sie sich stets auf ein bestimmtes Object beziehen 
müsse. Doch weiss er sich in diesem Falle zu helfen (De 
pron. p. 11 A. B.): iGcog xioi öo^Ei %b „xslvog S'av tteqi 
xrjQL juaxc/.QTaTog" dvTr/.elG&ai ovte ydg öelktixÖp ovte sni 
tl oqil6[A£vov dvccytoexai . * Atä fj dvaqjQQcc wg iul ti nqö= 

GiOTTOV TiaVTCOg EGO^SVOV IcCjLlßdi'ETCU , 071EQ EV^flLUÖfÄEVOg 

TiQohjTTTiY.wg dvEqjcovrjoEv. 

Vergegenwärtigen wir uns die kurze Charakteristik 
der drei Pronomina nochmals, so finden wir in ihrem 
manigfaltigen Gebrauche zwei Hauptfun ctionen , aus denen 
man auch alle andern ableiten kann : die erste besteht in 
der Fähigkeit direct auf ein Object in der Aussenwelt hin- 
zuweisen, die zweite in der Fähigkeit auf in der Rede 
vorher Erwähntes oder allgemein Bekanntes mehr oder 
weniger energisch hinzuweisen. In dieser zweiten Haupt- 
function nähern sich die Demonstrativpronomina omog und 
Ev.Eivog — dem Pronomen oöe ist dieselbe in der Haupt- 
sache fremd — dem gewöhnlichen anaphorischen Pronomen 
avTov (der Nom. hat andere Bedeutung), denn ein einfaches 
Pronomen der dritten Person kann gar nicht anders ge- 
braucht werden, als so, dass es ein in der Rede bereits 
erwähntes Object wieder aufnimmt. Wenn wir nun berech- 
tigt sind als eigenstes Wesen der Demonstrativpronomina 
diejenige ihrer Functionen anzusehen, welche sich bei 
keinem andern Pronomen nachweisen lässt, so besteht das- 
selbe darin, dass sie direct auf die Objecte der Aussenwelt 
hinweisen können. Hieraus folgt, dass ods rjds toÖe im 
Griechischen das reinste und schärfste Demonstrativ- 
pronomen, und dass ovxog und EXEivogj wenn man genaue 



Relativpronomen. 63 

Unterschiede machen will, am passendsten anaphorische 
Demonstrativpronomina genannt werden. 

Halten wir uns zunächst an die Thatsache, dass die 
Pronomina ovrog, sxelvog einerseits und avrog andrerseits 
in dem gemeinsamen anaphorischen Gebrauche eine gewisse 
Verwandtschaft zeigen, so ist es nicht ohne Werth 7 dass 
man dieselbe auch etymologisch, d. h. aus dem materiellen 
Bestände jener Pronomina , raotiviren kann. Ovrog und 
avrog, die wir zunächst vergleichen, sind speciell grie- 
chische Pronomina, wenn auch der Stamm avro jedenfalls 
mit dem der lateinischen Partikel autem identisch ist. Dass 
ovrog namentlich eine ausschliesslich griechische Bildung 
sein muss, geht daraus hervor, dass hier, abweichend von 
andern pronominalen Compositionen , das erste Glied je 
nach dem Geschlechte verschiedene Gestalt zeigt und zwar 
entsprechend den Formen des Pronomens 6 r k ro. Wir 
dürfen daher behaupten, dass ovrog avrrj rovro zunächst 
als Zusammensetzung der wohlbekannten Stämme sa sä ta 
mit dem weniger bekannten Stamme uta zu betrachten ist. 
Derselbe Stamm uta steckt jedenfalls auch in avrog, und 
es ist der gemeinschaftliche Factor der beiden griechischen 
Pronomina. Während aber in avrog der abgeschwächteste 
aller Demonstrativstämme, nämlich a, vorgetreten ist, stehen 
in ovrog avrrj rovro an seiner Stelle die jedenfalls kräftiger 
gebliebenen Demonstrativstämme sa und ta, und von diesen 
stammt denn auch offenbar der demonstrative Charakter 
von ovrog. 

Ueber die einzelnen Bestandtheile dieses Pronomens 
ist man sich schon längst klar gewesen; Benfey (Wurzell. 
I, S. 287 ff.) hat es zuerst in sa-u-tas sä-u-tä ta-u-tad zer- 
legt, und Sonne hat es in seinem gedankenreichen Aufsatze 
Ztschr. Xu, S. 270 zuletzt nochmals besprochen. Fast 
könnte es aber scheinen, als ob auch letzterer über die 
Art und Weise, wie das Zusammenschiessen der einzelnen 
Elemente vor sich ging, nicht die richtige Ansicht hatte. 
Indem er nämlich S. 269 nachweist, dass in vedischen 



64 Windisch 

Nebeneinandersetzungen wie ttd u tjd, imam u tjam die 
Partikel u declinirte Pronominalformen mit einander ver- 
bindet, scheint er S. 270 ähnliche , dieselbe Partikel ent- 
haltende Formeln für das griechische ovTog vorauszusetzen; 
wenigstens muss ihn Scherer, der Zur Gesch. d. d. Spr. 
S. 374 eine ähnliche Ansicht ausspricht, so verstanden 
haben. Dass aus ursprünglich neben einander stehenden 
coordinirten Wörtern Compositionen werden können, ist 
natürlich nicht zu leugnen; anstatt des homerischen s/nol 
avzoj (z. B. IL, 12) sagte man später ey.avxvj\ allein gegen 
jene Ansicht spricht doch der schon oben betonte speciell 
griechische Charakter von ovTog. Demi mit welchem Rechte 
dürfte man auch für das älteste Griechisch eine Partikel v 
annehmen, die dem sanskritischen u entspräche ? Wie sollte 
man sich denn ferner die Entstehung von avtog denken? 
Aehnlich wie ocTog könnte es schwerlich entstanden sein. 
Wir erlauben uns daher mit Sonne S. 272 für das Ur- 
griechisch einen selbständigen Pronominalstamm vto vor- 
auszusetzen. Natürlicherweise ist derselbe eine Zusammen- 
setzung der Stämme u und ta, aber es ist doch nicht die 
Partikel u, die mit dem eigentlich selbständigen Stamme 
ta verschmolzen wäre. Uebrigens müssten wir uns dann, 
wenn auch nicht über die pluralen Nominative -toi und 
-Tat, so doch über die singularen -toq und -Tiq wundern, 
denn man erwartet im Nom. den Stamm sa. Wie aber 
unserer Ueberzeugung nach die Stämme o cc to toi mit 
vto eine Verbindung eingingen, so thaten dies auch die 
Demonstrativstämme tooo togcx, tolo tolcc, tyjIixo ttjÄikcc 
und so entständen die anaphorischen Demonstrativstämme 

TOOO-VTO TOOCC-VTa , TOW-VTO TOia-VTCC , TrjllXO-VTO Tr^LKa- 

vza> durch Zusammensetzung mit ovtoq, wie man wohl 
geglaubt hat, sind diese letztern gewiss nicht gebildet. 

Ein Wort der Erklärung gebührt noch den neutralen 
Formen TavTa, tooccvtcc , touxvtcc, TTjliytavTcc, denn der 
Diphthong av erscheint ja sonst nur in den femininen 
Formen, in welchen er durch die Länge des Auslauts der 



Relativpronomen. 65 

Stämme tcc, xooä , toiä, trjlixä völlig gerechtfertigt ist. 
Allein der Nom. Acc. Plur. Neutr. der ^-stamme ging ur- 
sprünglich auch auf d aus ; was uns hinreichend durch das 
vedische Sanskrit und das Gothische verbürgt ist. In der 
indogermanischen ^-Declination hatten also Nom. S. Fem. 
und Nom. Acc. PI. Neutr. dieselbe Form, und zwar liegt 
uns in beiden Bildungen, wie es scheint, eine reine Stamm- 
form ohne besondere Casusendung vor. Im Gothischen 
haben diese Casus völlig gleiche Schicksale erlitten, man 
vergleiche Nom. S. Fem. giba und Nom. Acc. PL vaurda, 
dagegen von den einsilbigen Pronominalstämmen sa und tha 
Nom. S. Fem. so Nom. Acc. PI. N. tho. Dasselbe gilt vom 
Lateinischen, man vergleiche aqua mit bella, Nom. S. Fem. 
hae-Cy quae mit Nom. Acc. PL Neutr. liae-c, quae. Im nach- 
vedischen Sanskrit dagegen ist vollständige Differenzirung 
eingetreten, indem es Eegel wurde, Nom. Acc. PL der 
Neutra auf d-ni zu bilden, z. B. jugdni. In der Mitte 
zwischen diesen beiden Gegensätzen steht das Zend und 
das Griechische: beide Sprachen haben das d der Neutra, 
erstere in vielen, letztere in allen Fällen zu a geschwächt, 
und ebenso haben beide Sprachen in vielen Fällen das ä 
der Feminina gekürzt, nur dass sich daneben auch, worauf 
wir nicht weiter eingehen wollen, der Differenzirungstrieb 
geltend macht (s. Justi, Handb. der Zendspr. S. 387. 388). 
Während also die Neutra in den meisten Fällen in Stamm 
und Endung der Analogie der Masculina folgen und eigent- 
lich nur im pronominalen Nom. Acc. Sing. m eine ihnen 
eigenthümliche Endung besitzen, haben sie sich im Nom. 
Acc. PL in der Wahl des Stammes den Femininis ange- 
schlossen 31 ). Hierauf beruht der allerdings auffallende 
Unterschied, welcher sich innerhalb der Stämme von tovto 
und TavTa, tooovto und Tooavra u. s. w. bemerklich macht. 



31) Wenn man bedenkt, dass im Griechischen der Nom. PI. Nentr. 
sein Verb im Sing, bei sich hat, so könnte man diesen Casus der 
Bildung nach geradezu für einen Nom. Sing. Fem. halten und dem 
Femininum in diesem Falle collective Bedeutung zuschreiben. 

5 



66 Windisch 

Ein Pronominalstainm uta ist allerdings in keiner der 
indogermanischen Sprachen durchdeclinirt vorhanden, aber 
die copulative Partikel uta im Sanskrit und Zend stellt 
seine Existenz ausser Frage. Als parallele Bildung kann 
zu uta der dem lateinischen ita 7 item und dem vereinzelten 
Dativ itt im Zend zu Grunde liegende Stamm ita betrachtet 
werden ; in ähnlicher Weise geht dem im Griechischen und 
Lateinischen vorhandenen Stamme auto der Stamm aita 
zur Seite, vertreten durch etad ttam u. s. w. im Sanskrit, 
altern u. s. w. im Zend, durch die Partikel eiza im Grie- 
chischen. 

Möglicher Weise ist der Stamm vzo im Griechischen 
durch den Stamm aizo verdrängt worden, wie denn in der 
That die griechischen Partikeln av und avze den sanskri- 
tischen Partikeln u und uta zu entsprechen scheinen 32 ). 
Uebrigens könnte man fast trotz der Verkürzung von av 
£2 595, die Sonne S. 278 dagegen geltend macht, das a 
von avzog für lang halten. Wir würden dann das auf- 
fallende co der ionischen Eeflexivpronomina i^iecoiTOv, oecov- 
zov, ecovzov begreifen; co würde dann Vertreter des langen 
a sein, wie in d-vn-ya (s. Curtius Grün dz. 2 S. 228); ferner 
wäre dann eine Erklärung für die Verschiedenheit der 
Diphthonge in avzog, av, avze, avzig u. s. w. einerseits 
und ov, ov/., ovv andrerseits gefunden: der Diphthong av 
würde in diesem Falle aus ä -+- u } der Diphthong ov aus 
a -J- u entstanden sein. 

Offenbar ist dasjenige Element, welches in dem von 
uns aus ovrog und avrog gelösten Stamme uta das ton- 



32) Freilich kann ixvri sehr wohl, wie Sonne a. a. 0. S. 278 
meint, griechische Zusammensetzung der Partikel av mit dem encli- 
tischen t€ sein, so dass dann an völlige lautliche Uebereinstimmung 
mit uta nicht zu denken wäre. Jedenfalls haben die griechischen 
und sanskritischen Partikeln gemein, ohne scharf ausgeprägte Bedeu- 
tung die Eede einfach weiter zu fuhren oder aber einen leiseren oder 
stärkeren Gegensatz auszudrücken. S. P. W. und Duncan-Eost, Lex. 
Hom.-Pind. 



Relativpronomen. 67 

angebende ist ; der Pronominalstamm u. Als Pronomen 
kommt dieser selbständig nicht vor ; sondern nur als Par- 
tikel; im Sanskrit, wie schon erwähnt. Partikeln haben 
aber oft eine verblasste Bedeutung und können daher immer 
nur als secundäre Quelle gelten, wenn man die ursprüng- 
liche Bedeutung eines Pronominalstammes kennen lernen 
will. Wir halten uns daher an die zusammengesetzten Pro- 
nomina, welche diesen Pronominalstamm mit enthalten, und 
wenn alle diese die Neigung haben in die Ferne oder nach 
rückwärts zu zeigen und sich auf Bekanntes zu beziehen, 
so dürfen wir darin wohl auch die Grundbedeutung des 
Pronominalstammes u erblicken. Es gehören hierher das 
dem Zendavesta angehörige ava und das genau entsprechende 
kirchenslawische ovii, ferner noch aus dem Zend der Nom. 
hau und aus dem Sanskrit der Nom. asdu, endlich aus 
dem Zend die Pronomina avat und avavat. Abgesehen von 
dem letztgenannten wird für alle diese Pronomina die Be- 
deutung „jener" angegeben. 

Echt demonstrativ ist es, wenn ava, avat und hau an 
einer Stelle vereinigt als Epitheta der Sonne, des Mondes 
und der Sterne da droben erscheinen, Vend. 9, 161: anugo 
zi, gpitama zarathustra, aesha yd paiti-irigta avat hvare 
dtdpaiti (Justi : dtdpayeiti), anugo hau mdo, anugo av'e gtdro, 
ungern, o heiliger Zarathustra, bescheint diese Unreine 
jene Sonne, ungern jener Mond, ungern jene Sterne (s. 
Justi's Wörterb. unter paitürigta). Und dass dieser Ge- 
brauch nicht vereinzelt ist, beweisen Stellen wie Y. 19, 20 
para avanhe hü . . . ddhim vor der Schöpfung jener 
Sonne, Y. 19, 16 para avanhe ashno ddonhoit vor der 
Erschaffung jenes Himmels; Y. I, 45 nwaedhayemi hah- 
hdrayemi . . . . anhdogca zemo avanhöca ashno... 
ich lade ein und thue es kund . . dieser Erde und jenem 
Himmel . . . (ebenso Y. III 59). Auf allgemein bekannte, 
berühmte oder berüchtigte Objecte bezieht sich dieses Pro- 
nomen Y. 17, 46 dzois daevoddtahe hamoigtri, avanhdo 
müs avanhdo pairikay di paüistdtayaeca, zum Widerstehen 



68 Windisch 

gegen den von den Devs geschaffenen Azi, zum Wider* 
stehen gegen jene Mus, jene Peri; Vend. 18, 51 dat hd 
graosho ashyo aom mereghem fraghrdytiti parodarsh nama, 
dann weckt dieser heilige Qraosha jenen Vogel auf, Namens 
Parodarsh (Hahn); Vend. 19, 39 kutha Ms azem kerenavdni 
haca avanhät drujat, haca duzhda anramainyof wie soll ich 
sie vor jener Druj, vor dem bösen Anramainyu schützen? — 
Oft folgt eine relative Bestimmung nach, z. B. Y. 26, 3 
vigpanämca donhdm paoiryanäm fravashinäm idha yazamaidhe 
fravashim avam yam ahuremazddo, von allen den frühern 
Fravaschis preisen wir hier jene Fravaschi des Ahuramazda 
(genauer: nämlich die des Ahuramazda); Vend. 10, 30 imt 
atte vaca y yoi hehti avanhdo drujo avanhdo nagdvo 
hamaestdrem, yd haca irista upa jvantem upadvägaiti, dies 
sind die Worte, welche der Feind sind jener Druj, jener 
Nac^u, welche von dem Todten auf den Lebenden springt; 
Y. 43, 15 avdis urvdtdis , yd tü 7 mazdd, didereghzho, nach 
jenen Gesetzen, welche du, o Mazda, lehrtest. Ganz die- 
selbe Rolle spielt ava Vend. 19, 47. 13, 60. Y. 33, 6. 42, 4. 
32, 15. 23, 1. Visp. 8, 17 . . . Endlich ist ava bisweilen ge- 
wöhnliches anaphorisches Demonstrativpronomen, es bezieht 
sich dann auf ein etwas weiter zurück in der Rede er- 
wähntes Object ; z. B. Y. 56, 11, 5 yoi ave, pagkdt vayantt) 
noit ave) pagkdt afehte, die hinter jenen her eilen, erreichen 
sie nicht ; gemeint sind die gleich im Anfange des Hymnus 
genannten Rosse, welche den (Jraosha führen; das zweite 
Mal ist ave kaum mehr Demonstrativpronomen, sondern 
einfaches anaphorisches Pronomen (avTocg). Vend. 13, 28 
yage tat paiti avdo gaethdo tdyus vd vehrko vd apaiti, 
welcher Dieb oder Wolf zu jenen Hürden kommt . . . Aus 
dem Vorausgehenden erhellt, dass die Hürden gemeint 
sind, zu denen ein verstümmelter Hund gehört. — In ähn- 
licher Weise wird avat verwendet, z. B. Y. 57, 23 bare- 
zistem barezimnäm avat yd at hvare avdci, excelsissimum 
illud excelsorum, quod sol nominatur; Y. 19, 2 cit avat vaco 
dg, ahura mazda, yat me frdvaoco, quae erat oratio illa, 



Relativpronomen. 69 

Ahuramazda, quam mecum communicasti? Mit Unrecht hat 
daher Spiegel Y. 13, 11 avat durch „folgendes" übersetzt: 
namanhd ashdi uzddtdo paiti avat gtuye „mit Gebet an Ascha 
bei emporgehobenen (Darunbroten) flehe ich folgendes". 
Allerdings folgt nun ein Gebet, allein dieser ganze Hymnus 
enthält eine Anzahl gerade der wichtigsten Gebete, er ist, 
wie Spiegel selbst bemerkt, eine Art Glaubensbekenntniss ; 
avat ist daher soviel als „jenes hochheilige , praeclarum 
illud". — Fast noch mehr Inhalt ist in dies Pronomen an 
den Stellen eingezogen ; an welchen es dem lateinischen 
tantus entspricht. Der Begriff der Grösse liegt natürlich 
weder in dem lateinischen noch in dem altbaktrischen 
Worte klar ausgesprochen , aber der Pronominalstamm u 
bringt vermöge seiner Verwendung Bekanntes wieder auf- 
zunehmen einen gewissen Begriff der Qualität mit sich. Da 
nun von den Attributen eines Körpers die Ausdehnung 
jedenfalls am meisten in die Augen fallt, so kommt avat 
eben öfter im Sinne von „so gross, so lang" u. s. w. vor, 
z. B. Vend. 17, 19, 20 gravdbya maghem avakanois nistare- 
natmdt nmdnahö avat aipi, yatha hagistahe erezvo fratemem 
tbishis, mit den Nägeln (beider Hände) grabe ein Loch 
ausserhalb des Hauses so gross, als das vorderste Glied 
des kleinsten Fingers. — Dieselbe Bedeutung hat das Pro- 
nomen avavat stets, z. B. Y. 19, 15, wo es neben avat er- 
scheint: avavaitya bazagca frathagca pairitanuya yatha 
im zdo, agtica im zdo avaiti bäzo yavaiti frathagcit, soviel 
in der Tiefe und in der Breite werde ich (seine Seele) 
hinwegführen, als diese Erde, und es ist diese Erde eben- 
so gross in die Tiefe, als in die Breite. — Natürlich hängen 
hiermit die als Partikeln gebrauchten Neutra avat, yavat, 
denen im Sanskrit tdvat, jdvat entsprechen, zusammen. 
Sehr nahe liegt es auf den ersten Blick mit avaht und 
avavaht das griechische TOOovTog zu vergleichen und auch 
hier den Begriff der Grösse aus dem Pronominalstamme u 
abzuleiten. Allein, wie wir noch sehen werden, liegt der 
Begriff der Grösse in dem griechischen Pronomen in dem 



70 Windisch 

öo (hom. ooo, d. i. ojo oder tjo) des 1. Theils ausgedrückt 
(s. Cap. III) ; wie sollte denn sonst schon zooog (hom. zoooog) 
dieselbe Bedeutung haben ? 

Das Pronomen hau endlich ist gleichfalls in der Haupt- 
sache ein anaphorisches Demonstrativpronomen. Vend. 19, 
143 klagen die bösen Geister (Devs), dass Zarathustra ge- 
boren sei, und dann heisst es 144: Teva M aosho vihddmaf 
hau daevanäm gnatho , hau daevanäm paitydro, wie sollen 
wir den Tod desselben erlangen? er ist Schlagen der Devs, 
er ist die Gegenschöpfung gegen die Devs. — An einer 
andern Stelle wird gefragt, wo die Devs und ihre Verehrer 
zu finden seien, da lautet die Antwort Vend. 7, 138 aetaeshva 
dakhma'eshva . . . auf den Leichenstätten... 139 hau agti 
daevo , hau daövayäzo, hau daevanäm handvareno (hau ist 
hier gebraucht wie ovTog K 82 tiq ö^ovtoq xata vrag dvä 
otqcitov £Q%ecu olog ; im Sinne von „da, dort befindlich") 
dort ist der Dev, dort der Verehrer der Devs, dort die Zu- 
sammenkunft der Devs. — Vend. 13, 48 kommt hau fast 
ganz dem lateinischen {dem gleich. Zuvor ist die Strafe 
(citha) genannt, welche auf Verwundung eines jungen Hun- 
des steht, dann heisst es: hau jazhaos, hau vizaos , hau 
gukurunaM . . . ebendieselbe bei einem jazhu, ebendieselbe 
bei einem vizu, ebendieselbe bei einem gukuruna . . . (Na- 
men für Arten von jungen Hunden). 

Das eben behandelte Zendpronomen hau steht für ur- 
sprüngliches sau, es enthält also ohne Frage dieselben 
Elemente wie die erste Silbe des griechischen ovzog, nur 
dass in sau das a lang, in ovxog dagegen kurz ist. Die 
Bildungen sind also nicht ganz identisch, und man ist nicht 
berechtigt etwa auf das zendische hau gestützt ovtog im 
Gegensatz zu unserer obigen Auffassung, als Weiterbildung 
eines ov anzusehen. 

Dagegen ist am nächsten mit hau das sanskritische 
asdu zu vergleichen, das als Nom. ohne die gewöhnliche 
Nominativbezeichnung eine ebenso wunderbare Nominativ- 



Relativpronomen. 7] 

bildung wie jenes ist. 33 ) Was den Gebrauch von asdu an- 
langt, so ist derselbe bereits im Petersburger Wörterbuche 
genügend specialisirt worden. Die echt deiktische Funktion 
zeigt sich in den Gegensätzen ajam agnth dieses (auf Erden 
befindliche) Feuer, und asdvagnih jenes (im Himmel befind- 
liche) Feuer, ajam lokah diese Welt, asdu lokah jene Welt. 
Die anaphorisch deiktische Function sieht man z. B. 
Hit. I 8: tatah kuttanjupadegtua tarn ledrudantanamdnam 
banikputram sa rdjaputrah sevakan. Uakdra. tato 'sau täna 
sarvavigvdsakdrjöshu nijug'jate, drauf machte der Prinz 
auf Rath der Kupplerin den Kaufmannssohn namens K'äru- 
danta zu seinem Diener. Da wurde jener von diesem mit 
allen Vertrauensangelegenheiten beauftragt. — In nach- 
drücklicher Weise geht asdu einem Relativsatze voraus 
Nah III 2 ke vdi bhavantah, kagk'a-asdu jasjdham düta 
ipsitahl wer seid ihr ; und wer ist der, als dessen Bote ich 
verlangt werde? 

Der Abschnitt über kirchenslawisches ovU, über welches 
wir noch ein Wort beifügen müssen, bei Miklosich (Vergl. 



33) Bekanntlich will Seherer (Zur Gesch. d. D. Spr. S. 320) asdu 
zum Loc. des Substantivs asu „Lebenshauch, Leben" machen. Es sei 
dieser Loc. den Wörtern , „die wir jetzt mit Nominativ-s finden" , ur- 
sprünglich nachgesetzt worden, in der Bedeutung „im Leben befind- 
lich, lebendig". Diese Hypothese, die Seh. noch weiter ausführt, hat 
nicht den geringsten positiven Anhalt, sicherlich nicht hat sie einen 
solchen an dem wirklichen trebrauche des Pronomens asdu. Beach- 
tenswerth ist, dass dieses sowohl, als auch das zend. hau für Masc. 
und für Fem. gilt. Vielleicht sind wir berechtigt hau und asdu 
ursprünglich nur für feminine Bildungen zu halten, dadurch entstan- 
den , dass an die Nominative sd , asd die namentlich im vedischen 
Sanskrit vielfach vorkommende Partikel u angewachsen ist. Aehnlich 
fasst diese Pronominalformen Benfey auf, Vollst. Gramm. § 776 III 
und V 3, nur dass er das masculine asdu aus asa f u mit unregel- 
mässiger Verbindung des ä und u zu du hervorgehen lässt, während 
ich in diesem Falle lieber eine Fqraienübertragung annehmen möchte. 
Günstig für dieselbe war es jedenfalls, dass der ursprüngliche femi- 
nine Charakter von asdu nicht mehr im Auslaute fühlbar war. 



72 Wiudisch 

Gr. d. slaw. Spr. IV S. 94) ist nicht recht klar; Schleicher 
(Formenl. des Kirchensl. S. 261) giebt ille als Bedeutung 
desselben an. Doch ist auch dies nicht recht genau , denn 
im ostromirischen Evangelium kommt ovu stets, d. i. an 
acht verschiedenen Stellen, nur bei Aufzählungen vor, in 
denen angegeben wird, dass die einen dies, die andern 
das thaten. Die Stellen sind folgende: Joh. VII 2 (Ostr. 

Ev. S. 26, 1) ovi inize, griech. ol ftsv . .. alloi de, goth. 

sumaih . . . antharai ; ebenso Matth. XVI 14 (S. 281, 1) und 
Marc. VIII 28 (S. 134, 4), nur dass an letzterer Stelle im 
griechischen und gothischen Texte die Bezeichnung für „die 
einen" fehlt. Matth. XXVIII 17 (S. 204, 2) entspricht ovi 
dem griech. ol de i und Matth. XXVI 67 (S. 163, 1) ovize 
dem griech. alloi de, goth. sumaiththan, wobei in allen drei 
Texten ein „die einen" im ersten Gliede fehlt. Der Noin. 
S. ovu steht ähnlich Matth. XXII 5 (S. 80, 4) onize nebre- 
guse otidose, ovu na selo svoje, ovüze na kqpljq svoja 7 ol de 
a/LteA^oavTsg cctt^X&ov , o usv elg tov l'diov ayoov , o öi sig 
T7}v ef.uioQtav ccltov. Luc. VIII 5 (S. 94, 3) entspricht ovu, 
dem griech. o f.iiv y dem goth. sum. Matth. XXI 35 (S. 78, 
4) ist ov (xev .... ov de durch ovogo . . . ovogoze (im Slaw. 
steht die Genetivform oft im Sinne eines Accusativs) wieder- 
gegeben, Matth. XXV 15 (S. 149, 1) tu uev . . . 4 de... y 
ös durch ovomu . . . ovomuze . . . ovomu. — Offenbar geht 
aus diesen Stellen hervor, dass das slawische ovu eigentlich 
kein Demonstrativpronomen ist. J£s ist dasselbe vielmehr 
fast in die Reihe der Indefinita eingetreten, aber doch so, 
dass die Unbestimmtheit in gewissem Sinne beschränkt 
ist ; denn aus dem Vorausgehenden sieht man immer, dass 
ganz bestimmte Personen im Grund gemeint sind, nur dass 
es in dem betreffenden Falle nicht gerade auf Namen- 
nennung derselben ankommt. Wir kommen auf die Art 
und Weise, wie Demonstrativa indefinite Pronomina wer- 
den, im nächsten Capitel nochmals zu sprechen. 

Jedenfalls haben wir erkannt, dass alle die den Prono- 
minalstamm u enthaltenden Pronomina einen gemeinschaft- 



Kelativpronomen. 73 

liehen Charakter haben , und es fragt sich nur, ob als 
Grundbedeutung des Pronominalstamms u das Verweisen 
in die Ferne anzusetzen ist, oder ob diese demonstrative 
Function nur dem zusammengesetzten Stamme au, ava an- 
gehört, während der einfache Stamm ursprünglich einfaches 
Pronomen der dritten Person ist. Ich möchte mich für das 
letztere entscheiden und zwar deshalb, weil sonst kein 
echter, starker Demonstrativstamm Partikeln von so ein- 
facher und verhältnissmässig farbloser Function geliefert 
hat, als es im Sanskrit die Partikel u ist. Der Stamm u 
würde dann ein Seitenstück zum Stamm i sein. Auch hier- 
auf kommen wir im nächsten Capitel nochmals zu sprechen, 
jetzt sei nur nochmals daran erinnert, dass das Gemein- 
same im Gebrauch von abzog und avzog , dje anaphorische 
Function, auf dem Pronominalstamme u beruht. 

Es wäre nicht im Geringsten zu verwundern, wenn 
ovTog im Griechischen das in die Ferne verweisende Pro- 
nomen würe, und eine Annäherung zu diesem Gebrauche 
liegt sicherlich darin vor, dass ovrog nicht selten allgemein 
bekannte und berühmte Objecte bezeichnet 34 ), allein von 
den frühesten Zeiten an vertritt den Begriff „jener" gewöhn- 
lich das zweite anaphorische Demonstrativpronomen Y.elvog, 
exslvog. Erstere Form verhält sich zur letztern, wie das 
zend. hau zum sanskr. asdu. Denn wir haben dem homeri- 
schen Gebrauche gegenüber, in welchem xelvög entschieden 
vorwiegt, ferner gegenüber den dialectischen Formen äol. 
vSvog, dor. x? t vog nicht das geringste Recht y.elvog erst als 
eine Verstümmelung von sxeivog zu betrachten. Auf haina, 
die Grundform von xeivog, reimt sich vortrefflich der dem 



34) Die Fähigkeit in der Aussenwelt auf entferntere Objecte hin- 
zuweisen möchte ich anerkennen Xen. Anab. IV 7,4. l4X\ct /uia 
ccvTtj törl naoodoq rjv oQÜS- otc&V d€ tig tccvt^ ntiQarai ntiQiivca, 
y.vXivdovöt Xi&ovg vntQ ravrr\q rr\q vneQe/oiiOrjs nirQag. Cheirisophos 
und Xenophon sind natürlich fern von diesem Terrain. 



74 Windisch 

gothischen jains zu Grunde liegende Stamm jama. Beide 
haben dieselbe Bedeutung, und es liegt daher der Gedanke 
nahe, dass der Hauptsitz derselben weder im anlautenden 
z des griechischen noch im anlautenden / des gothischen 
Pronomens liege. Diese Vermuthung wird zur Gewissheit 
durch das aus dem Litauischen hierher gehörige der Be- 
deutung nach genau entsprechende Pronomen ans (St. ana). 
Hierzu kommt, dass im Ahd. bei Notker das deutsche Pro- 
nomen ohne j in der Gestalt eWer eniu enez erscheint. Man 
hat aber gar nicht nöthig dieselbe als Verstümmelung der 
gewöhnlichen, volleren Form jener, gener aufzufassen — 
Abwerfen eines anlautenden / ist wohl im Nordischen, aber 
nicht im Althochdeutschen eine gewöhnliche Erschei- 
nung 35 ) — , sondern ener ist die echt althochdeutsche Ge- 
stalt des litauischen ans, und e bezeichnet hier dieselbe 
Mittelstufe zwischen ursprünglichem a und dessen völliger 
Schwächung zu i wie in zeman (goth. ga-timan). Ebenso 
wird das altnordische enn en et oder inn in it aufzufassen 
sein, doch könnte man dasselbe ebensogut mit jener iden- 
tificiren. Dieses nun geht auf einen volleren Stamm Jana 
zurück, der sich also vom Stamme ana dadurch unterschei- 
det, dass bei ihm der Pronominalstamm ja, bei letzterem 
der Pronominalstamm a vor den Grundstamm na getreten 
ist. Diese Auffassung wird weiter gerechtfertigt durch das 
altpreussische tans und das altnordische kann hon, beides 
einfache Pronomina der 3. Person, von denen ersteres einem 
Stamme tana, letzteres einem Stamme kana (Lottner, Ztschr. 
V. S. 395) angehört. Zu diesen Stämmen stellen sich wie- 
derum die des aolischen yJjVoq und des dorischen rr^vog, 
nur dass sie auffallender Weise einen langen ^ä-laut in der 
ersten Silbe aufweisen, der sich auch in zooo^vog (Theoer. 



35) Es ist nur zu constatiren, dass bei demselben Notker, bei 
welchem ener die übliche Form ist, auch das Wort jämer (Jammer) 
ohne anlautendes j erscheint. Deshalb kann man es nicht absolut 
abweisen, dass ener aus jener verstümmelt sei. 



Kelativpronomen. 75 

I 54) wieder einstellt. Wir dürfen aber jene Pronomina der 
3. Person umsomehr mit heranziehen, als onü, der kirchen- 
slawische Vertreter des litauischen ans, beide Bedeutungen 
in sich vereinigt: in allen Casus ausser dem Noin. hat es 
seine alte demonstrative Bedeutung ,, jener" bewahrt, im 
Nom. dagegen ist es einfaches anaphorisches Pronomen ge- 
worden (s. Schleicher Formenl. S. 262, Miklosich Vergl. 
Gr. IV S. 95). Aus dem Sanskrit dürfen wir daher die 
Formen des Stammes öna herbeiziehen, welche gleichfalls 
die Bedeutung eines einfachen Pronomens der 3. Person 
haben (s. P. W. und M. Müller Skr. gr. § 270) und über 
deren Grundbedeutung sowie Zusammenhang mit dem goth. 
ains und dem lat. oinos, unus im nächsten Capitel noch die 
Rede sein wird. 

Demnach erhalten wir als förmlich mathematisch rich- 
tige Gleichung, dass die Stämme Jana (ahd. jener) 36 ), tana 
(altpr. tans), Jcana (altn. kann) sich zu ana (lit. ans, kirchensl. 
onü, ahd. ener) verhalten, wie jaina (goth. jains), haina (gr. 
xsivog) zu aina (skr. önam). Und sollte es nun noch auf- 
fallend sein, wenn wir bei der manigfaltigen Gestaltung 
der ersten Silbe aller der eben besprochenen Pronominal- 
bildungen das eigentlich, tonangebende Element in der 
immer sich gleichbleibenden zweiten Silbe sehen, in dem 
Pronominalstamme na? 31 ) Dass schon ihm allein die Kraft 
inne wohnt in die Ferne zu verweisen, beweist die Nega- 
tionspartikel na: das Verneinen war eben ursprünglich ein 
blosses Abweisen. • 

Vielleicht könnte man bei xelvog, sxsTvog noch zweifeln, 
ob dessen individuelle Bedeutung wirklich vom Stamme na 
herrühre: das auslautende vo sieht so unbedeutend, so 
suftix artig hinter am und szsi aus ; ferner haben ja die 



36) Auch das kirchenslawische inü, der andere , ■ gehört nach 
Schleichers Vermuthung (Formenl. S. 44") hierher. Ueber den Bedeu- 
tungsübergang s. das nächste Capitel. 

37) Scherer, Zur Gesch. d. D. Spr. S. 382, ist ähnlicher Ansicht. 



76 Windisch 

Adverbia e/.ai xeld-i y.elöe nei-d-sv auch ohne na doch die 
Beziehung auf das Fernliegende. Was den ersten Einwand 
anlangt, der mit demselben Rechte das goth. jains trifft, 
so haben wir ja schon an genug Beispielen gewahren kön- 
nen, wie grosse Neigung die Pronomina zu immer neuen 
und neuen Zusammensetzungen haben, und da die Weiter- 
bildung bald nach vorn, bald nach hinten vor sich geht, 
so kann das bedeutungsvollste Element bald hinten, bald 
vorn zu stehen kommen. Natürlich sind die hinzutretenden 
Elemente nie völlig bedeutungslos gewesen, und wenn sie 
auch nur dazu dienten die ursprüngliche Bedeutung des 
einfachen Stamms kräftig zu erhalten. Viel gewichtiger 
ist der zweite Einwand, und ich würde seine Berechtigung 
unbedingt anerkennen, wenn nicht für mich die obige Zu- 
sammenstellung der sinnverwandten Pronomina, die alle 
als gemeinschaftlichen Factor den Stamm na haben, zu 
überzeugend wäre. Woher soll auch der ersten Silbe xei 
die Beziehung auf die Ferne kommen ? Es würde dies eine 
ganz singulare und durch keine Parallele aus den ver- 
wandten Sprachen belegbare Erscheinung sein. Und so 
vermuthe ich, dass in den oben genannten Adverbien das 
Verweisen in die Ferne erst eine spätere von ihnen über- 
nommene Function ist; sie wurde von nsivog, sxe7vog aus 
auf ixel, y,£"i&i u. s. w. übertragen, nachdem aus dem Be- 
wusstsein geschwunden war, dass das charakteristische 
Element in jenem Pronomen das stammauslautende na ist. 
Diese Behauptung, dass die genannten Adverbia ursprüng- 
lich eine andere Bedeutung hatten, stützt sich auf die noch 
am nächsten vergleichbaren lateinischen Bilduugen eis, citra, 
citro und die germanischen wie z. B. goth. Mr, ahd. hera, 
Mar, herot: sie alle haben ja gerade die schärfste Beziehung 
zu der nämlichen Stelle, an der sich der Redner befindet. 
Sowie aber im Germanischen hinter dem M (Grundform 
ki) ein n erscheint, stellt sich sogleich die Beziehung in die 
Ferne ein: ahd. hina heisst „von hier fort, weg, fort", goth. 
hindana „hinter, jenseit", desgl. hindar. Man könnte sich 



Relativpronomen. 77 

versucht fühlen in sku dem anlautenden , einem ursprüng- 
lichen a entsprechenden e die bedeutungsvolle Rolle zuzu- 
weisen und anzunehmen; dass dies e in den Formen y.eioe } 
xelÖev, xsl&i nur abgefallen sei. Allein diese letztgenann- 
ten Formen sind nachweislich die ältesten ? sie sind die 
ausschliesslich in IL und Od. gebräuchlichen, wenn man von 
dem vereinzelten s\el&i q 10 absieht. Im dorischen Dia- 
lecte hat sich übrigens auch in den Adverbien der Prono- 
minalstamm na erhalten, dem ixel und y.sI&l entspricht ttjvsI 
und nyvo&i, dem sxsi-dtep Trjvto&ev, und aus dem Aeolischen 
führt Hesychius wenigstens xrjvco im Sinne von exsl an. 

Schliesslich machen wir nun darauf aufmerksam, wie 
nahe sich die Stämme u und na in den sie enthaltenden Com- 
positionen berühren, nur dass letzterer die Bedeutung „jener" 
von Haus aus, von ersterem aber, soweit unsere Beobach- 
tung zurückreichen kann, erst das Compositum au, ava 
diese gehabt zu haben scheint. Doch mag dem sein, wie 
ihm wolle, die beiderseitigen Compositionen haben entweder 
die Function eines in die Ferne verweisenden Demonstra- 
tivpronomens oder eines einfachen Pronomens der 3. Per- 
son, und jedem der beiden Stämme gehört eine wichtige 
Negationspartikel an: na ist als solche in allen indogerma- 
nischen Sprachen vertreten, o v aber (Grundform au) gehört 
nur dem Griechischen an 38 ). 

Wenn es gestattet ist, wie ich nicht bezweifele, die im 
Sanskrit und Zend lebendige Präposition ava herbeizu- 
ziehen, so zeigt diese klar und deutlich, dass auch bei ov 
das Verneinen als ein ursprüngliches in die Ferne Weisen, 
als ein Abweisen aufgefasst werden muss, wie man ja auch 



38) Diese Negationspartikeln hat schon Bopp mit den Pronomi- 
nalstämmen zusammengestellt (Vergl. Gr. II § 371 und § 379). Pott 
will ovx mit skr. avak (deorsmn) zusammenbringen (Präp.) S. 613, 
und ist nicht geneigt einen Zusammenhang zwischen der Präposition ava 
und dem gleichlautenden Pronominalstamme anzuerkennen (ebendas. 
S. 687). Auch die Negationspartikel na wird von ihm nicht mit dem 
Pronominalstamme in Verbindung gesetzt (Präp. S. 397 ff.). 



78 Windisch 

jetzt noch eine Person, die man lieber nicht anwesend, eine 
Sache, die man lieber nicht geschehen sieht, ins Pfefferland, 
d. i. in ein fernes Land verwünscht. 

Die drei Pronomina, y.eirog, ovzog einerseits und avrog 
andrerseits stimmen darin überein, dass sie sich (die ersten 
beiden oft, das letzte immer) auf in der Rede vorher Er- 
wähntes beziehen. Das anaphorische Element ist in ovzog 
und avzog der Pronominalstamm u, in y.eivog der Prono- 
minalstamm na. Uns kommt es aber gerade darauf an, 
das Wesen eines einfach anaphorischen Pronomens im 
Unterschied vom Demonstrativpronomen kennen zu lernen. 

Das einfach anaphorische Pronomen (Gren. gcvtov) unter- 
scheidet sich nicht bloss vom scharfen Demonstrativ- 
pronomen (bös) dadurch, dass es nie einer nccozrj yvcooig 
dienen, nie direct auf Objecte in der Aussenwelt hin- 
weisen, nie sich auf Folgendes in der Rede beziehen kann, 
sondern es ist auch von den anaphorischen Demonstrativen 
(ovzog, yelvog) verschieden und zwar durch nichts anderes, 
als dass ihm eben völlig die Kraft der öel§ig fehlt. Diese 
wohnt dem ovxog innen vermöge des voranstehenden 6 a 
zo , sie wohnt dem y.eivog inne, weil ja na von Haus aus 
auch ein demonstrativer Stamm ist, und in Folge dessen 
können sich ovxog und y.eivog auch auf etwas weiter zurück 
erwähnte Personen oder Sachen beziehen, und können *sie 
vor Allem mit einem gewissen Nachdrucke gebraucht 
werden, z. B. Xen. Anab. IV 8, 20 v.ai rjyovfievog , enel 
eveßalev eig zr^v eavzolg noksf-itav, Tiagey.elevezo cu&uv /.cd 
cp&eioeiv zrjv %wqocv' w y.al drjkov eyivezo bzi zovzov eve/.a 
el&oi, ov zrg ziov c EkXtp-wv evvolag. Hier könnte unmög- 
lich avzov eve/.a stehen, ebensowenig könnte dieses Pro- 
nomen an den Stellen eintreten, an welchen oizog Er- 
wähntes gleichsam abschliessend zusammenfasst, z. B. in 
zavza einer, {.teza zavza u. dergi. Das einfache ana- 
phorische Pronomen kann sich nur schlicht auf unmittelbar 
vorher Erwähntes beziehen, es führt eine eben erwähnte 
Person oder Sache ohne weitern Nachdruck in der Rede 



Relativpronomen. 79 

fort, namentlich diejenige , über welche in einem grössern 
oder kleinern Abschnitte der Rede hauptsächlich gehandelt 
wird, z. B. Xen. Anab. III 4, \ itielvccvreg di zauTrjv tyjv 
fj/Liigav Tij aXXij s/ioqevovto nqtotaiTEqov dvaozdvTsg' "/agd- 
öqccv ydg ctvTovg sdei öiaßr^vai ecp fj scpoßovvTO /litj Ini- 
S-olvto ccvzolg dittßcdvovoiv 01 Tiole/Liioi. Ibid. 6 Evzav&a 
nölig rjv SQ^/uy, (.teydlrj, ovofj.a S'avzfj r\v Aäqiooa % qmovv 
di avTTJv to naXcabv Mijdoi. Jetzt fragt es sich aber, 
was thut das anaphorische Pronomen denn, wenn es nicht 
deiktisch ist? Die Antwort hierauf ist, das einfache ana- 
phorische Pronomen ist blosser Stellvertreter seines 
Nomens 39 ). Während das Demonstrativum stets so in die 
Aussenwelt hinaus oder in die Rede hinein, sei es nach 
rückwärts oder nach vorwärts, weist, dass man mit dem 
Blicke der Richtung, in welcher es hinweist, nachfolgen 
muss, kommt das anaphorische Pronomen stets in so un- 
mittelbarem Anschluss an sein Nomen vor, dass letzteres 
in dem Pronomen gleichsam nur fortklingt, wie ein einmal 
angeschlagener Ton. Dieser Unterschied scheint subtil und 
ohne weitere Bedeutung zu sein, und doch beruht einzig 
und allein darauf die Thatsache, dass das demonstrative 
Pronomen sehr wohl adjectivisch, das einfach anaphorische 
dagegen niemals adjectivisch vorkommen kann. Denn was 
sollte letztres bei seinem Nomen, dessen blosser Stell- 
vertreter es ist ohne irgend welche, im Nomen selbst nicht 
enthaltene, Beziehung hinzuzubringen? Das Demonstrativ- 
pronomen dagegen bringt eben in der dsl^ig ein neues Ele- 
ment seinem Nomen zu, indem es angiebt, dass letzteres 
sich hier oder da befinde, oder dass es von dieser oder 
jener, im Vorhergehenden erwähnten Qualität sei. 



39) Auf avTog in seiner ursprünglicheren Bedeutung „er selbst" 
kommen wir erst im nächsten Capitel ausführlich zu sprechen. Hier 
sei nur darauf aufmerksam gemacht, wie avrog in dieser ursprüng- 
licheren Bedeutung erst recht als blosser Stellvertreter einer genann- 
ten Person erscheint. 






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